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Kommentare und Aktuelles zu "gerne katholischen" Themen

Lehre mich begreifen

Geistlicher Impuls zum Osterfest 2015

ostern2015„Begreift ihr, was ich an euch getan habe“ (Joh 13,12) 

Diese Frage haben wir von Jesus am Gründonnerstag gehört. Offensichtlich haben die Jünger es nicht wirklich begriffen. Sie liefen davon verstört, verängstigt, enttäuscht, ratlos. Und viele dieser Gefühle finden sich auch am Beginn des Evangeliums vom Ostermontag wieder. Zwei Jünger auf dem Weg, ja vielmehr sogar auf der Flucht. Sie fliehen vor all dem, was in den letzten Tagen in Jerusalem auf sie eingeprasselt ist, vor der Angst, die sie am Abend des Verrates gepackt hatte, vor der Verstörung des Kreuzes, das dem Menschen auf den Sie so viele Hoffnungen gesetzt hatten, ein Ende bereitete und vor der Enttäuschung, das Gott das alles hat geschehen lassen. All das bricht aus ihnen heraus, als ein Fremder sich zu ihnen gesellt. (mehr …)

„Doch nicht etwa ich?“

abendmahl1Geistlicher Impuls zur Karwoche

Die Karwoche beginnen wir mit dem Palmsonntag, der uns im Passionstext des Tages die Passion Christi nach Markus nahebringt, von der Salbung, über den Verrat und das Abendmahl bis hin zur Festnahme im Garten Gethsemane, dem Verhör und der Kreuzigung.

Eine Frage der Jünger sticht dieses Jahr für mich aus dem Passionstext heraus (Mk 14,19). Als Jesus davon spricht, dass ihn einer der zwölf verraten wird, ist es nicht nur Judas Iskariot, der (vermutlich) in Aufregung gerät, weil sein Freund um seinen Verrat weiß. Nein, auch die anderen Elf fragen sich, ob sie es nicht sein könnten! Immer wieder eine Überraschung für mich.

Und doch – ehrlicherweise – so bin auch ich. Manchmal vollmundig wie Petrus und erschreckt, wenn der Hahn kräht; treu folgend, mich beschenken lassend bei der Eucharistie, die Treue und Barmherzigkeit Gottes spürend und doch gleichzeitig mit den Jüngern fragend „doch nicht etwa ich?“  (mehr …)

“Meine” Wüste entdecken

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In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium. (Mk 1,12-15)

Diese Stelle aus dem Markusevangelium hören wir am ersten Fastensonntag. Es ist eine Art Ouvertüre oder Überschrift über die österliche Bußzeit, die auch Fastenzeit genannt wird. Dieser Textabschnitt ist für unsere Ohren sehr bekannt und wird häufig gelesen. Trotzdem ist mir dieses Mal etwas aufgefallen. Markus berichtet, dass Jesus 40 Tage in der Wüste war, aber er sagt nichts davon, dass Jesus auch gefastet hat. Matthäus und Lukas hingegen schreiben, dass Jesus in diesen 40 Tagen sehr wohl gefastet hat und danach auch Hunger hatte. Trotz dieser Unterschiede ist es aber wohl relativ sicher, dass Jesus in dieser Zeit wahrscheinlich wirklich nichts gegessen hat, zumindest nicht sehr viel, denn er war schließlich in der Wüste. In diesem Punkt sind sich die drei Evangelisten einig. Die Wüste ist ein öder, karger und leerer Ort. Dies scheint mir der zentrale Aspekt zu sein: die Wüste als ein Ort der Leere. (mehr …)

#ashtag – zeig’ der Welt Dein Aschenkreuz!

ashtag2015Poste ein Selfie von deinem Aschenkreuz in einem sozialen Netzwerk und versehe es mit dem Hashtag #ashtag

In sozialen Netzwerken wie twitter, instagram oder auch auf facebook benutzt man sog. “Hashtags” (wegen der Raute # davor, die im Englischen “hash” heißt). Damit kann man besser nach Stichworten suchen.

Am Aschermittwoch bekommen wir in katholischen Kirchen das Aschenkreuz auf die Stirn oder auf den Kopf, als Zeichen unserer Vergänglichkeit und der Buße (wir bekennen, was uns von Gott trennt und versuchen es ins Reine zu bringen). Im Englischen heißt Asche “ash” – und so ist im letzten Jahr aus dem hashtag der #ashtag geworden.

So wird Weltkirche deutlich! Schon früh morgens am Aschermittwoch werden die ersten #ashtag-Fotos aus Neu-Seeland und Australien im web zu finden sein. Und so wie sich die Weltkugel dreht, füllt sich das Netz morgen mit einer weltweiten Gemeinschaft von Menschen, die mit dem Aschenkreuz ihren Glauben bekennen!

Wir wünschen euch einen gesegneten Aschermittwoch und ein gutes Hineinkommen in die Fastenzeit! Gottes Segen!

 

 

Im Alltag nach Gott Ausschau halten

Im Alltag nach Gott Ausschau halten - Mann guckt in ein Fernrohr

Im Alltag nach Gott Ausschau halten

Die Kirche feiert in diesen Tagen das Fest der Darstellung des Herrn. Simeon sieht Jesus und lobt Gott mit den Worten: „Meine Augen haben das Heil gesehen“ (Lk 2,30). Das Heil findet sich in Jesus, in Gott, der unter den Menschen wohnt. Aber wo kann ich dieses Heil in meinem Leben sehen?

Seit der Adventszeit begleitet mich das geistliche Tagebuch des belgischen Jesuiten Ägied van Broeckhoven (1933-1967). Er war Arbeiterpriester und arbeitete in einer Fabrik. 1967 kam er bei einem Arbeitsunfall ums Leben. Sein Tagebuch wurde nach seinem Tod publiziert und in viele Sprachen übersetzt. Auf Deutsch heißt es „Freundschaft in Gott“. Freundschaft ist ein wichtiges Thema für Ägied. So wichtig, dass das Buch auf Schwedisch sogar den Titel „Sakrament der Freundschaft“ bekam. Freundschaft ist für Ägied ein Ort, an dem Gott begegnet werden kann, wo Gott verborgen anwesend ist, wo er erlebt werden kann.

Besonders zum Nachdenken gebracht hat mich das, was er über das Gebet schreibt, wie er Gebet versteht. An einer Stelle schreibt er: „Wenn wir nicht beten, liegt das nicht daran, dass wir nicht gemeinsam Messe feiern oder dass wir keine Kapelle haben oder festgesetzte Gebetszeiten, sondern eher daran, dass wir zu selbstzentriert sind.“

Gebet ist also die Öffnung auf andere hin. Mich selbst öffnen, dort wo ich bin. Das ist der Rahmen, der Gebet braucht, der Rahmen, der wichtiger ist als der eigentliche Ort oder eine bestimmte Zeit. Diese Dinge mögen helfen, aber sind nicht das Entscheidende. Beten scheitert an meiner Einstellung, meiner Selbstzentriertheit. Beten wird als Offenheit für Anderes verstanden. (mehr …)

6. Januar: das Fest mit den drei Namen

the-three-magi-160632_640“Dreikönigstag”, “Erscheinung des Herrn” oder auf lateinisch “Epiphanie”: das Fest, das die Kirche am 6. Januar feiert, scheint mehrere Namen zu kennen. Dabei meinen alle Bezeichnungen eigentlich ein und dasselbe Ereignis, nämlich die “Offenbarung” Gottes in unserer menschlichen Gestalt. Aber wieso ein eigenes Fest, wenn wir doch die Menschwerdung Gottes schon an Weihnachten gefeiert haben?

Die dem Fest zugrundeliegende Bibelstelle finden wir bei Matthäus:

“Sie (die Sterndeuter) gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.” (Mt 1,11)

Das Festereignis vom 6. Januar ist also nicht noch einmal die Geburt Jesu Christi selbst, sondern der nächste Schritt: das Erkennen des Erlösers und die Verehrung desselben. Bis heute feiert die Ostkirche an diesem Tag “Weihnachten”. Die westliche Kirche übernahm das Fest im 4. Jahrhundert, aber mit dem Akzent auf der Verehrung des Neugeborenen Christus durch die drei Sterndeuter aus dem Osten. Schon damals waren sie im Volksglauben zu Königen geworden, wobei uns die Bibel nur von drei “magoi” berichtet, was man wohl am besten mit “Sterndeuter” übersetzt.

Bis zum II. Vatikanischen Konzil wurden am 6. Januar sogar noch zwei weitere biblische Ereignisse gefeiert: die Taufe des Herrn und die Hochzeit zu Kana. Das Konzil entschied aber, dass die Taufe des Herrn durch Johannes im Jordan auf den Sonntag nach dem 6.1. gelegt werden sollte. Seither bildet dieses Fest den Abschluss der Weihnachtszeit. Die Reliquien der “Heiligen drei Könige” werden seit dem 12. Jahrhundert im Kölner Dom verehrt.

Epiphanie, Erscheinung des Herrn: göttliche Wahrheit und Herrlichkeit leuchten, wenn auch noch verborgen, in dem Kind von Betlehem. Suchende Menschen finden den Weg (Magier, Könige, Sterndeuter). Sie kommen mit Gaben und gehen als Beschenkte. Als Boten des Lichts in eine dunkle Welt. Weil dieses Kind geboren wurde, gibt es für alle Menschen Hoffnung, auch für die in der Ferne. (aus: Einführung zum Kirchenjahr, Erzabtei Beuron)

 

“Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen”

Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2014 von Stefan Salzmann

Auch in diesem Jahr hören wir in der Christmette wieder die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Wir hören von Maria und Josef und natürlich vom Kind, das in eine Krippe gelegt wurde, „weil in der Herberge kein Platz für sie war“.
Gott wird Mensch, und das erste, was er auf der Erde erleben muss, ist die Not, kein Dach über dem Kopf zu haben. Seine Eltern weichen auf den Stall aus und auf Heu und Stroh bringt Maria Jesus, den Sohn Gottes, zur Welt.

imageSpätestens seitdem in Syrien Bürgerkrieg herrscht und sich im Irak der sogenannte „Islamische Staat“ ausbreitet, nimmt Deutschland vermehrt Flüchtlinge aus dem Nahen Osten auf. Menschen, die meist alles verloren haben, ihr Haus oder die Wohnung, vor allem aber auch enge Familienmitglieder oder Freunde, verlassen ihre Heimat, um einen Ort zu finden, der ihnen Sicherheit und ein Obdach bietet. Diese Menschen verlassen nicht freiwillig ihr Land. Sie sind auf der Flucht und haben Hilfe bitter nötig.

Leider liest und hört man in letzter Zeit, dass Flüchtlinge, die in unseren Städten und Gemeinden ankommen, häufig auf Ressentiments oder Ablehnung stoßen. Dass Vorurteile gegen eine bestimmte Religion oder gegen fremde Nationalitäten und Kulturen aus manchen Köpfen nicht verschwinden wollen. Ja, es bilden sich sogar Initiativen „gegen die Aufnahme von Flüchtlingen“ und seit einigen Wochen erleben wir in deutschen Großstädten regelmäßige Demonstrationen – ja man muss es glaube ich so sagen: gegen Ausländer (wie in Dresden beispielsweise „PEGIDA“).
Ich muss Ihnen ehrlich sagen, mir liegen diese wöchentlichen Demonstrationen schwer im Magen. Sie deuten auf eine Gesellschaft, in der Ausgrenzung und Abgrenzung herrschen. Dabei können Christen eigentlich nicht mitmarschieren. (mehr …)

Der hohe Advent

KerzenMit dem 17. Dezember beginnt die Kirche den sogenannten „Hohen Advent“, die letzte Woche vor dem Weihnachtsfest. Liturgisch gesehen ist diese letzte Woche der Vorbereitung auf die Geburt Jesu geprägt durch die O-Antiphonen. An jedem Tag wird eine andere Antiphon zum Magnificat in der Vesper und als Ruf vor dem Evangelium gesungen, die den kommenden Messias mit einem Messiastitel aus dem alten Testament anruft. Sie heißen O-Antiphonen, weil sie mit einem „Oh“ beginnen und damit auch sprachlich die Sehnsucht nach diesem Messias, die Sehnsucht nach Jesus Christus zum Ausdruck bringen. Neben der Sehnsucht steht in diesem „oh“ sicher auch ein Staunen über die Taten Gottes für sein Volk. Die Antiphonen münden in eine Bitte, dass der Messias kommen möge.
Die sieben Antiphonen führen uns also tiefer ein in die Sehnsucht, Stauen und Bitten des Volkes Gottes aber sind auch eine Hilfe, um tiefer zu verstehen, wer dieses Kind in der Krippe eigentlich ist und welche bahnbrechende Bedeutung es für die ganze Welt hat.
Oh, veni! Oh, komm! (mehr …)

Gerne katholisch-Magazin Nr. 3 erschienen

Gerne katholisch Magazin Nr. 3

Die neueste Ausgabe unseres Magazins beschäftigt sich diesmal ausführlich mit dem Thema Familie. Nicht nur durch die Familiensynode im Herbst ist sie derzeit Top-Thema in Kirche und Gesellschaft. Folgende Themen erwarten Sie u.a.:

  • “Heilige Familien” – Biblische Familienbilder aus dem Alten und dem Neuen Testament
  • “3 Fragen an… Ute Eberl” - “Auditrix” bei der außerordentlichen Bischofssynode im Herbst 2014
    zu Ehe und Familie
  • “Aus Staub gemacht – Nach Gottes Bilde” – Geistlicher Impuls
  • “Staunend auf nackten Sohlen davorstehen” – Exerzitien auf der Straße
  • “Die Familie – was sie vorgibt zu sein” – Gastbeitrag

Wie immer können Sie das Magazin online lesen – Sie können es aber auch kostenlos für sich oder Ihre Pfarrei zur Auslage in den Schriftenstand bestellen. Es fallen lediglich 1,50 EUR Versandkosten an. Bestellungen an: magazin@gerne-katholisch.de

3 Fragen an… Ute Eberl

Wir haben mit der Referentin für Familien im Erzbistum Berlin und Auditrix (Gasthörerin) der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie im Oktober 2014 gesprochen.

Das Interview ist erschienen in der aktuellen Ausgabe des “Gerne katholisch Magazins“.

Gerne katholisch:
Frau Eberl, wie würden Sie die Stimmung bei der Synode beschreiben?

Ute Eberl bei der Synode in Rom

Ute Eberl bei der Synode in Rom (Foto: U. Eberl)

Ute Eberl: Papst Franziskus hat die Synode mit einem fulminanten Start eröffnet. Gleich zu Beginn hat er den Synodenvätern eingeschärft, sie sollten erstens frei und offen sprechen und zweitens einander gut zuhören. Er wolle nicht hören, dass nach der Synode dann einer sagt ‚eigentlich hätte ich ja noch gerne gesagt, aber…‘. Die Themen der Synode hatten und haben ja durchaus Brisanz: von unehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften über Geburtenkontrolle, Patchworkfamilien, Polygamie, Singles und Alleinerziehenden bis hin zur Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und ihr Ausschluss von den Sakramenten reichte die Palette. Die Bandbreite heutiger Lebensrealitäten von Familien in- und außerhalb der Kirche weltweit ist groß: Alles sollte auf den Tisch kommen.

Erfahrene Synodenväter bestätigten mir: Das sind neue Töne, bei früheren Synoden hätte man sich eher gegenseitig bestätigt – jetzt durfte und sollte es auch kontrovers zugehen. Und da die Synodensprache nicht mehr Latein war, fiel das möglicherweise auch Vielen leichter. Manche sagten sogar, so müsse die Atmosphäre beim II. Vatikanischen Konzil gewesen sein. (mehr …)