Categories » Der Papst und Rom

Feuer und Flamme für das Evangelium

Über die Entstehung des Dominikanerordens vor 800 Jahren

Es war der 21. Januar des Jahres 1217, also vor genau 800 Jahren, da erließ Papst Honorius III. ein Bulle über eine kleine Gemeinschaft von Klerikern aus Südfrankreich. Diese war erst einige Jahre zuvor von einem spanischen Priester namens Domingos de Guzmán gegründet worden und bisher eher durch ihre unorthodoxe Praxis in der Verkündigung aufgefallen. Diese Bulle vom 21. Januar war die zweite, die der Papst dieser Gemeinschaft widmete. Bereits am 22. Dezember des Vorjahres, also nur gut vier Wochen früher hatte es schon eine gegeben.

Nun mag einem nichts Gutes schwanen. Wenn der Papst, noch dazu einer aus dem finsteren Mittelalter, einer neuen, unkonventionellen Gemeinschaft in kürzester Zeit so viel Aufmerksamkeit und gleich zwei Bullen widmet. Da riecht der kritische Zeitgenosse von heute direkt Verbot, Repression, oder gar Verfolgung.

Und der Papst veränderte die Zukunft der Gemeinschaft junger revolutionärer Ordensbrüder tatsächlich dramatisch, allerdings so ganz anders als sie vielleicht befürchtet haben. Der neue Orden nannte sich selbst Ordo fratrum praedicatorum, Orden der Predigerbrüder und der spanische Priester Domingo wird später besser unter dem Namen Dominikus bekannt sein.

Während die erste Bulle die Gemeinschaft des Dominikus als Orden bestätigte, war die zweite Bulle vom 21.1 eine Sensation. Honorius III. verlieh den Predigerbrüdern das Privileg eben dazu, wozu sie gegründet wurden, zum Predigen. Bis zu diesem Tag war die Predigt das alleinige Privileg der Bischöfe in ihrem Bistum gewesen. Plötzlich zogen da also junge Ordensbrüder durch die Lande und predigten unkonventionell und frisch daher und das mit großem Erfolg. Und diese Revoluzzer predigten nicht nur gegen die Ketzer, die zu jener Zeit in Südfrankreich gerade eine florierende Gegenkirche organisiert hatten. Sie wagten es, nach den Gründen für den Erfolg diese Irrlehren zu fragen und diese in ihren Predigten zu kritisieren: Die Dummheit und Geldgier des Klerus, vor allem der Bischöfe. Schlimmer noch, der Papst nahm den Bischöfen ihr liebstes und so herrlich ineffizientes Mittel zur Ketzerbekämpfung weg, die Inquisition. Diese hatte den Bischöfen bisher vor allem dazu gedient, an das Vermögen des geschäftstüchtigen, in Glaubensdingen allerdings etwas unbedarften Stadtbürgertums zu kommen. Die Predigerbrüder machten aus der Inquisition in kürzester Zeit eine gut organisierte und für damalige Verhältnisse fortschrittliche Ermittlungsbehörde, die ihnen allerdings auch einen Spottnamen einbrachte: domini canes, Spürhunde des Herrn.   (mehr …)

Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt…

(C) Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten.

(C) Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten.

Heute hat Papst Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit eröffnet und er bleibt damit seinen vielfältigen Äußerungen zum Unrecht in der Welt treu.

Mir kommt mit Blick auf dieses Jahr der Barmherzigkeit immer wieder Mt 25, 31-46 in den Sinn. Die Stelle, die uns vermutlich allen im Gedächtnis ist von der einen Zeile „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Dazu und vielleicht überhaupt zur Barmherzigkeit einige Gedanken:

„Das war nur Mittel zum Zweck.“ sagen wir manchmal und das klingt durchweg negativ. „Du warst nur Mittel zum Zweck.“ ist aber wohl einer der schlimmsten Sätze, den man zu jemandem sagen kann. Jeder von uns hat doch das Bedürfnis, gebraucht zu werden. Wirklich, echt. Nicht nur, um eigentlich etwas anderes zu erlangen, sondern um meiner selbst willen. Da kommt es häufig zu Missverständnissen: Ich fühle mich gebraucht und werde doch eigentlich nur benutzt!

Das Matthäusevangelium kann man an dieser Stelle auch leicht in dieser Art missverstehen. „Was ihr für einen dieser geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Ist also der Geringste nur Mittel zum Zweck? Gute Taten vor und für Gott auf Kosten der Hungrigen, der Durstigen, der Fremden, der Obdachlosen, der Nackten, der Kranken und der Gefangenen? Barmherzigkeit fürs eigene Ego? (mehr …)

3 Fragen an… Ute Eberl

Wir haben mit der Referentin für Familien im Erzbistum Berlin und Auditrix (Gasthörerin) der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie im Oktober 2014 gesprochen.

Das Interview ist erschienen in der aktuellen Ausgabe des „Gerne katholisch Magazins„.

Gerne katholisch:
Frau Eberl, wie würden Sie die Stimmung bei der Synode beschreiben?

Ute Eberl bei der Synode in Rom

Ute Eberl bei der Synode in Rom (Foto: U. Eberl)

Ute Eberl: Papst Franziskus hat die Synode mit einem fulminanten Start eröffnet. Gleich zu Beginn hat er den Synodenvätern eingeschärft, sie sollten erstens frei und offen sprechen und zweitens einander gut zuhören. Er wolle nicht hören, dass nach der Synode dann einer sagt ‚eigentlich hätte ich ja noch gerne gesagt, aber…‘. Die Themen der Synode hatten und haben ja durchaus Brisanz: von unehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften über Geburtenkontrolle, Patchworkfamilien, Polygamie, Singles und Alleinerziehenden bis hin zur Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und ihr Ausschluss von den Sakramenten reichte die Palette. Die Bandbreite heutiger Lebensrealitäten von Familien in- und außerhalb der Kirche weltweit ist groß: Alles sollte auf den Tisch kommen.

Erfahrene Synodenväter bestätigten mir: Das sind neue Töne, bei früheren Synoden hätte man sich eher gegenseitig bestätigt – jetzt durfte und sollte es auch kontrovers zugehen. Und da die Synodensprache nicht mehr Latein war, fiel das möglicherweise auch Vielen leichter. Manche sagten sogar, so müsse die Atmosphäre beim II. Vatikanischen Konzil gewesen sein. (mehr …)

Leben und Lehre der Kirche

gitarreGeistlicher Impuls im September von Dag Heinrichowski

Anfang Oktober tagt in Rom die außerordentliche Bischofssynode zum Thema „Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Rahmen der Evangelisierung“. Nicht erst seit der Ergebnisse der Umfrage zur Vorbereitung dieser Synode ist deutlich, dass es gerade bei dem Thema große Unterschiede zwischen der Lehre der Kirche und dem Leben der Kirche gibt. Eine Frage, die aber nicht nur auf das Thema der Sexualmoral und der Familie begrenzt sein darf und schon gar nicht nur auf weltkirchlicher Ebene diskutiert werden darf. Die Frage nach dem Leben und der Lehre der Kirche geht jeden Christen an. Denn Glaube ist kein reines Wissen aus Katechismus, Glaube ist vor allem mein Leben. Glaube ist keine Theorie, sondern Praxis. Gott offenbart uns eben nicht in einem Heiligen Buch mit Vorschriften und Sätzen, sondern er offenbart sich selbst in Christus. Er wird Teil unseres Lebens – konkret und praktisch. (mehr …)

Von Gott reden

Vor einigen Tagen wurde veröffentlicht, wie viele Menschen im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten sind. Der Franziskus-Effekt konnte den Tebartz-van Elst-Effekt nicht ausgleichen. Für viele Menschen waren wohl die Geschehnisse rund um dem Limburger Domberg ein Anlass, grundsätzlich das eigene Verhältnis zur Kirche zu überprüfen und aus der Kirche auszutreten.

Einen Tag bevor die Zahlen veröffentlicht wurden, twitterte Papst Franziskus:

Der Franziskus-Effekt liegt meiner Ansicht nicht nur darin, dass der Papst nicht in seinem Palast wohnt und alte Autos fährt, sondern vor allem darin, dass er immer wieder versucht den Menschen eine Begegnung mit Jesus zu ermöglichen und das als Auftrag an die Kirche und damit an jeden einzelnen Christen formuliert. Jesus Christus gehört in das Zentrum und ist das, wofür die Kirche Zeugnis ablegen soll. Den Menschen von Gott erzählen, ist die Hauptaufgabe. Nicht das Verwalten von Geld und Strukturen.

Aber wie kann das funktionieren, von Gott zu reden? (mehr …)

Fronleichnam – Die Liebe Gottes wird sichtbar

fronleichnamEin frohes und gesegnetes Hochfest Fronleichnam euch allen!

Ein Impuls von Papst Benedikt XVI: „In der Tat: Niemand hat Gott gesehen, so wie er in sich ist. Und trotzdem ist Gott uns nicht gänzlich unsichtbar, nicht einfach unzugänglich geblieben … Gott hat sich sichtbar gemacht: In Jesus können wir den Vater anschauen (vgl. Joh 14, 9). In der Tat gibt es eine vielfältige Sichtbarkeit Gottes. In der Geschichte der Liebe, die uns die Bibel erzählt, geht er uns entgegen, wirbt um uns – bis hin zum Letzten Abendmahl, bis hin zu dem am Kreuz durchbohrten Herzen, bis hin zu den Erscheinungen des Auferstandenen und seinen Großtaten, mit denen er durch das Wirken der Apostel die entstehende Kirche auf ihrem Weg geführt hat.

Und in der weiteren Geschichte der Kirche ist der Herr nicht abwesend geblieben: Immer neu geht er auf uns zu – durch Menschen, in denen er durchscheint; durch sein Wort, in den Sakramenten, besonders in der Eucharistie. In der Liturgie der Kirche, in ihrem Beten, in der lebendigen Gemeinschaft der Gläubigen erfahren wir die Liebe Gottes, nehmen wir ihn wahr und lernen so auch, seine Gegenwart in unserem Alltag zu erkennen. Er hat uns zuerst geliebt und liebt uns zuerst; deswegen können auch wir mit Liebe antworten. Gott schreibt uns nicht ein Gefühl vor, das wir nicht herbeirufen können. Er liebt uns, lässt uns seine Liebe sehen und spüren, und aus diesem ,,Zuerst’’ Gottes kann als Antwort auch in uns die Liebe aufkeimen.“

(Benedikt XVI., Enzyklika Deus Caritas est, Nr. 17)

Neuevangelisierung braucht Zuhören

Peter Faver By Grentidez (Own work), via Wikimedia Commons

Peter Faber
By Grentidez, via Wikimedia Commons

Gestern wurde bekannt gegeben, dass Papst Franziskus einen der ersten Jesuiten, den Seligen Peter Faber, heiliggesprochen hat. In einem Blogeintrag beschreibt ihn P. Bernd Hagenkord SJ als „Patron der Exerzitien“ und begabten Seelsorger und Beichtvater. „Und während ein zweiter Jesuit das Predigen übernommen hatte, saß Faber von Morgen bis zum Abend im Beichtstuhl, so viele Menschen wollten zu ihm, dass er ihnen zuhöre.“, schreibt Hagenkord.

„Neuevangelisierung“ ist zur Zeit ein Wort, das immer wieder in kirchlichen Kreisen und auch auf unserem Blog wird immer dazu geschrieben. Ich glaube auch, dass das gut ist und dass wir diese neue Verkündigung des Evangeliums brauchen. Für mich ist es ein schöner und wichtiger Aspekt, den der Papst vielleicht mit dieser Heiligsprechung setzen möchte, dass Neuevangelisierung auch ganz viel mit Zuhören und Seelsorge zu tun hat. Ohne das funktioniert es nicht. Neuevangelisierung kann auch geschehen im Zuhören und im Zusprechen der Liebe Gottes zu uns.

Heiliger Peter Faber, bitte für uns!

Alles Gute zum Geburtstag, Papst Franziskus!

papstgeburtstag

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Wir danken Dir für die ersten 9 Monate deines Pontifikates, in denen du uns zur Solidarität mit den Armen ermahnt hast. Du hast uns ermutigt und überrascht. Du hast neue Akzente gesetzt und bewahrst das Bewährte. Du wirst nicht müde, zu wiederholen: „Mit Jesus Christus kommt immer und immer wieder die Freude!“ (Evangelii Gaudium 1).

Wir wünschen dir weiterhin alles Gute für deine Aufgabe und beten dafür, dass die „Freude des Evangeliums“ in unseren Herzen wächst und Frucht bringt.

„gerne katholisch!“ – Magazin ist erschienen

GKMagazinCoverMit dem neuen „Magazin für einen frohen, bekennenden Glauben“ möchte Gerne katholisch e.V. seinem Satzungsauftrag gerecht werden und die öffentliche Diskussion über den christlichen Glauben wach halten. In der Nummer eins des Magazins, die am 13.11.2013 erschienen ist, finden Sie folgende Beiträge:

  • Herr, wohin sollen wir gehen – ein Bericht vom Eucharistischen Kongress in Köln
  • Social Media braucht Gebet – über die „Catholic New Media Conference“ in Boston
  • Das Licht des Glaubens weitertragen – Gedanken zum noch jungen Pontifikat Papst Franziskus‘
  • Die Kirche, meine Mutter? – geistlicher Impuls
  • 3 Fragen an… Prof. Dr. Medard Kehl SJ – über die Zukunft der Pfarrei, den Papst und seinen persönlichen Glauben

Das Magazin erscheint künftig etwa zweimal im Jahr auch als E-Paper.

Sie können bis zu 5 Ausgaben hier per Mail bestellen (wir berechnen Ihnen nur 1,50 EUR Versandkosten, Bezahlung per Rechnung). Wenn Sie für die Pfarrei mehr als 5 Ausgaben bestellen möchten, schreiben Sie uns bitte an magazin@gerne-katholisch.de.

 

Gott ist im Leben jedes Menschen

Ende letzter Woche ist in mehreren Jesuitenzeitschriften ein Interview mit Papst Franziskus erschienen. Er spricht u.a. über das zweite vatikanische Konzil: „Das Zweite Vatikanum war eine neue Lektüre des Evangeliums im Licht der zeitgenössischen Kultur. Es hat eine Bewegung der Erneuerung ausgelöst, die aus dem Evangelium selbst kommt“. Mein Eindruck ist, dass Papst Franziskus diese „Erneuerung aus dem Evangelium“ weiterführen will. „Die wichtigste Sache ist aber die erste Botschaft: ‚Jesus Christus hat dich gerettet’“, so Franziskus. Das Evangelium als frei- und frohmachende Botschaft verkünden – das ist der Auftrag der Kirche! Konzentration auf die Mitte, auf Christus und seine Botschaft. Der Papst zeichnet, wie in seinen Predigten, auch im Interview ein eindrückliches Bild: Kirche als Feldlazarett: „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, die Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen schwer Verwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem Anderen sprechen.“ (mehr …)