Bleibt hier und wacht mit mir!

Dieser kurze Satz aus dem Matthäusevangelium (Mt 26, 38) ist den Allermeisten bekannt und nicht an wenigen Orten wird an Gründonnerstag mit dem entsprechenden Taizé-Gesang das abendliche/nächtliche Gebet eröffnet, dass an eben jenes Gebet Jesu im Garten Getsemani erinnert, das uns das Evangelium schildert.

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In dieser Erzählung des Gebets Jesu sind die Jünger mir -wie so oft-  unendlich nah. Sie haben den Einzug in Jerusalem und den damit verbundenen Freudentaumel hinter sich. Aber gerade auch das gemeinsame Mahl, die unendlich reiche, zugleich verwirrende Erfahrung der Fußwaschung und nun dämmert es wohl auch dem Letzten von ihnen, dass Jesu Worte vom nahen Tod in Jerusalem wahr sind. Sie sind mittendrin in dem Gefühlswirrwarr, das wir selbst heute durch die Feier der Karwoche erleben. Und da soll man ihnen verübeln, dass ihnen zu nächtlicher Stunde „vor Traurigkeit“ die Augen zufallen?

Im Evangelium sind es nur drei Jünger, von denen uns Näheres dazu berichtet wird. Zwar sind alle nach dem Mahl zum Garten hingegangen, aber zum Gebet nimmt Jesus die drei mit, die schon die Verklärung schauen durften: Petrus, Johannes und Jakobus. Aber nicht nur den Vorgeschmack des Himmels durften sie kosten, sondern es sind auch die drei, von denen uns explizit gesagt wird, dass sie vollmundig ihre Standfestigkeit annehmen und versprechen. Petrus, der beim Gang in den Garten noch sagt: „Und wenn ich mit dir sterben müsste – ich werde dich nie verleugnen.“ (Mt 26, 35) Johannes und Jakobus, die im Himmelreich gerne die Plätze rechts und links des Herrn hätten und versprechen: „Wir können es!“, als Jesus sie fragt, ob sie den Kelch trinken können, den er trinken muss (Mk 10, 35ff).
Wie gern und vollmundig preisen wir uns manchmal des Glaubens. Und doch kennt jeder auch den Zweifel, der in uns nagt in ganz unterschiedlichen Situationen und die eigenen Schwächen.

Aber warum dann wachen und beten? Diese Frage stelle ich mir immer wieder. Dass der Zweifel genommen werde? Sicher. Aber in dieser Situation? Ist dies nicht vielmehr ein Beispiel Jesu für die Jünger und uns, dass wir eben auch das Schlimme, das Leid aushalten müssen? Dass er uns auch darin vorangeht? Dass er uns selbst die Annahme dessen, was auf uns einbricht, vorlebt? Und das in der demutsvollen Haltung des „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ (Mt 26,39). Hat er sie nicht selbst, hat er nicht uns selbst gelehrt zu beten „dein Wille geschehe“?!

Jesus sagt zu ihnen: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet!“ (Mt 26,41). Das ist viel mehr als eine Anweisung für den Moment! So wie diese drei bei der Verklärung schauen dürfen, was sie später verkündigen sollen (und werden), so ist dieses wachen und beten Vermächtnis und Auftrag, auch über die Situation in Getsemani hinaus. Wachen, nicht einfach wach bleiben. Aufmerksam sein; hinhören in die manchmal so große Stille und Abgründigkeit; erkennen, auf was es jetzt ankommt; lauschen, ob man Jesu Wort vernimmt; wachsam sein, wo die Versuchung ist, die uns eben gerade von Gott wegtreibt. Und: beten! Ohren und Herz öffnen für den Herrn, für das „wie du willst“, für „deinen Willen“.

Oft genug gibt es für uns Getsemani. Einen Ort an dem uns die Augen vor Traurigkeit zufallen und uns die Not wegrückt von Gott. Gerade dann wird es wichtig, gerade dann gilt Jesu Wort: Bleibet hier und wachet mit mir!
Bleibt bei mir mit all Eurer Traurigkeit; hier habt ihr einen guten Platz dafür – hier dürfen auch die Zweifel und Ängste sein. Selig, die Trauernden, denn sie werden getröstet werden (Mt 5, 4).

Denn darin – und nur in dieser Haltung auf Gott hin – im Bleiben, Wachen und Beten, wird aus Furcht wieder Mut, aus der Trauer Freude und aus dem Tod das Leben in Ewigkeit.

Diese Erfahrung wünsche ich uns für die kommende Heilige Woche!

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