/Gott ist im Leben jedes Menschen

Gott ist im Leben jedes Menschen

Ende letzter Woche ist in mehreren Jesuitenzeitschriften ein Interview mit Papst Franziskus erschienen. Er spricht u.a. über das zweite vatikanische Konzil: „Das Zweite Vatikanum war eine neue Lektüre des Evangeliums im Licht der zeitgenössischen Kultur. Es hat eine Bewegung der Erneuerung ausgelöst, die aus dem Evangelium selbst kommt“. Mein Eindruck ist, dass Papst Franziskus diese „Erneuerung aus dem Evangelium“ weiterführen will. „Die wichtigste Sache ist aber die erste Botschaft: ‚Jesus Christus hat dich gerettet’“, so Franziskus. Das Evangelium als frei- und frohmachende Botschaft verkünden – das ist der Auftrag der Kirche! Konzentration auf die Mitte, auf Christus und seine Botschaft. Der Papst zeichnet, wie in seinen Predigten, auch im Interview ein eindrückliches Bild: Kirche als Feldlazarett: „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, die Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen schwer Verwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem Anderen sprechen.“

Christus und den Glauben zu den Menschen bringen, für ihn Zeugnis ablegen und damit eine Grundlage schaffen. Auf dieser lässt sich dann weitergehen. Aber warum sollte ich mich dafür interessieren, was die kirchliche Moral ist, wenn ich Christus noch gar nicht kennen gelernt habe? Ein Bild, das mir einfällt: Eine Pflanze braucht zum Wachsen v.a. einen guten Boden, regelmäßig Wasser und ausreichend Licht. Damit sie gerade wächst, kann es manchmal helfen, einen Stock in die Erde zu stecken. Aber nur mit diesem Stock wird es nichts. Das andere ist wichtiger und entscheidender. Franziskus spricht hiermit nichts Neues an. Schon das Zweite Vatikanum spricht im Dekret über den Ökumenismus „Unitatis Redintegratio“ dies an: „Beim Vergleich der Lehren miteinander soll man nicht vergessen, dass es eine Rangordnung oder ‚Hierarchie’ der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glauben.“ (Nr. 11). Dieses Fundament muss verkündet und bezeugt werden und kann so vielleicht auch neu gelegt werden. Ein Fundament, das neue Räume für Gott öffnet. Darin kann uns die Tradition helfen, wie Franziskus sagt: „Die Tradition und die Erinnerung an die Vergangenheit müssen uns zu dem Mut verhelfen, neue Räume für Gott zu öffnen. Wer heute immer disziplinäre Lösungen sucht, wer in übertriebener Weise die ‚Sicherheit‘ in der Lehre sucht, wer verbissen die verlorene Vergangenheit sucht, hat eine statische und rückwärts gewandte Vision. Auf diese Weise wird der Glaube eine Ideologie unter vielen. Ich habe eine dogmatische Sicherheit: Gott ist im Leben jeder Person. Gott ist im Leben jedes Menschen.“

Haben wir Mut ihn in unserem Leben und im Leben unserer Mitmenschen zu entdecken und ihn sichtbar werden zu lassen!

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