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@Pontifex – Was Papst Franziskus für die neuen Medien bedeutet

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Gleich zwei (indirekt sogar drei) Vorträge auf der Catholic New Media Conference in Boston griffen die Wirkung von Papst Franziskus auf die Neuen Medien auf. In der Einführungs-Keynote gab Mons. Tighe, Sekretär des päpstl. Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, interessante Einblicke in die Arbeit hinter den großen “offiziellen” Kanälen des Papstes – news.va und dem Twitter-Account @Pontifex (man kann sich hier in voller Länge die Keynote anschauen).

Wer hätte es gedacht: Papst Franziskus schreibt seine Tweets tatsächlich selbst. Wobei Mons. Tighe durchblicken ließ, dass es gar nicht so einfach sei, diese dann in die verschiedenen Sprachen zu übersetzen. Denn was auf italienisch perfekt in 140 Zeichen passt, kann auf englisch oder deutsch (da konnte er sich einen Seitenhieb auf die deutsche Sprache nicht verkneifen) viel zu lang sein. 

Ein großes Problem der päpstlichen Kommunikation sei allerdings die fehlende Interaktivität. “The Pope follows himself – der Papst folgt sich selbst” sagte Mons. Tighe. Die Interaktivität stelle aber einen Schlüsselfaktor in guter sozialer Kommunikation dar. Der Papst sei allerdings natürlich ein “Celebrity”, und der müsse nicht auf Fragen eingehen, die ihm über das Internet gestellt werden. Genau das ist der Knackpunkt: kirchliche Kommunikation hat Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang so funktioniert (Tighe: “Wir sind gut in Worten”). Die Lehrmeinung wurde “von oben herab” dem gläubigen Volk mitgeteilt. Aber so funktioniert das Internet, das auf Gleichstellung und direkte Kommunikation ausgelegt ist, nicht. Kirche muss lernen, neu zu kommunizieren.

Mit Papst Franziskus haben wir allerdings einen Papst, der

  • eine einfache Sprache verwendet
  • authentisch wirkt
  • zeichenhaft handelt.

So beschrieb Father Roger Landry in seinem Workshop “Kommunikationsnachhilfe von Papst Franziskus” den neuen Papst. Der Papst verwendet eine Sprache, die alle verstehen. Nicht die großen theologischen Zusammenhänge, sondern das Leben der Menschen vor Ort sind sein Ausgangspunkt. Außerdem erklärt der Papst sehr viel, er denkt von den Basics her. Er spricht unmittelbar und sehr direkt. Das kommt den neuen Medien zugute, wo alles oft kurz und prägnant auf den Punkt gebracht werden muss.

Der Papst wirkt authentisch auf die Menschen, weil er nach dem handelt, was er sagt. Er hat seinem Fuhrpark ein Downgrade verpasst. Er wohnt nicht im Palast, sondern im Gästehaus usw. Authentizität ist für die neuen Medien ein weiterer Schlüsselfaktor! Ein Pfarrer, den das Internet eigentlich gar nicht interessiert, wird nicht ernst genommen werden, wenn er versucht, seine Firmlinge über facebook einzuladen.

Papst Franziskus handelt zeichenhaft. Father Landry hat den Unterschied zwischen symbolischem und zeichenhaftem Handeln so beschrieben: wenn Barack Obama durch eine Menge geht und Kinder küsst, dann ist das symbolisches Handeln. Wenn der Papst das tut, ist das zeichenhaftes Handeln, es verweist auf die Liebe Gottes.

Für Fr. Landry ist es diese Botschaft, die vom Papst ausgeht: er zeigt ein väterliches, ein familiäres Gesicht der Kirche (Aussagen von Papst Franziskus: “Heilt die Wunden!”, “Wärmt die Herzen!”). Das Bild der Familie wird für Fr. Landry auch das Bild sein, was wir als die eine “kirchliche Community” (online und offline) versuchen müssen, zu schaffen. Denn darin liegt die Stärke des Christentums, unser großer Pluspunkt. In der Liebe und in der Barmherzigkeit.

Die große Herausforderung für uns im Internet tätigen wird sein, trotz aller Technik und Anonymität eine angemessene “familiäre” Nähe herzustellen und trotz aller Verkürztheit und Schnelllebigkeit im Internet eine authentische Begegnung zu ermöglichen.

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