Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“ im Hier und Jetzt?!

Denn in Christus hat er uns erwählt, damit wir heilig und untadelig leben (vgl. Eph 1,4)

Geistlicher Impuls zu Allerheiligen von Michael Raab

Am 1. November feiern wir das Hochfest Allerheiligen. Dabei schauen wir nicht nur auf diejenigen, die vor uns lebten oder die die Kirche zu „Ehren der Altäre“ erhoben hat, sondern wir feiern im Grunde auch uns selbst, die Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir berufen sind und zu der wir durch die Taufe dazugehören. Wir lassen uns an die Hoffnung erinnern, dass wir zur ganzen Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes gelangen sollen, vergessen aber sicher allzu oft oder tun uns schwer damit, dass diese Heiligkeit schon im Hier und Jetzt beginnt und sichtbar werden soll. Das hat einerseits etwas Gutes, denn wir sollen ja nicht gleich auch noch hochnäsig werden. Trotz aller Berufung zur Heiligkeit müssen wir uns bewusst bleiben, dass wir immer noch sündige Menschen sind (vgl. das Evangelium vom 30. Sonntag im Jahreskreis, Lk 18, 9-14). Andererseits sollten wir uns trotzdem dieser Berufung klar sein.

Mit Blick auf die Kirchengeschichte, die vergangenen Jahre mit dem Aufbrechen des Missbrauchsskandals und auch die vergangenen Wochen, die nicht nur für Limburger Gläubige zur Zerreißprobe werden konnten und können, beschleicht mich –vielmehr bedrängt mich- die Frage, ob wir tatsächlich „unsere Heiligkeit“ feiern können und sollen?

Erst einmal denkt man: „Naja, ich selbst bin da ja auch nur zum Zuschauen verdonnert. Ich bemüh mich ja.“ So weit, so falsch – meine ich. Alle Anfragen an die und alle Kritik an der Kirche, sei die Art und Weise gerechtfertigt oder nicht bzw. sachlich oder diffamierend, meinen und meint auch immer mich selbst. Ich selbst bin Kirche. Es betrifft mich ganz persönlich. Dabei geht es mitnichten darum, wirklich angefallene Schuld zu verallgemeinern oder einfach auf mehrere Schultern zu verteilen. Es geht nicht nur um eine Frage der Positionierung, sondern vor allem um die Frage, was jeweils auch auf mich zutrifft. Welchen Vorwurf muss ich mir selbst gefallen lassen? Wo trifft Kritik bei mir zu? Wir müssen uns fragen lassen, ob es wirklich stimmt, was Paulus im Römerbrief benennt, nämlich dass uns nichts von der Liebe Christi scheiden kann: keine Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, weder Hunger oder Kälte, noch Gefahr oder Schwert (vgl. Röm 8,35), aber auch nicht Hochmut, Selbstverliebtheit oder sonstige Maßlosigkeiten.

Darin liegt der Schlüssel, in diesem einzigen, überragenden `Gesetz´, das Paulus in eine Formel bringt, die in all seinen Schriften wiederkehrt: „In Christus Jesus“! Die Heiligkeit hat ihre Wurzeln in der Taufe und doch müssen wir uns in der uns geschenkten Freiheit dazu immer wieder neu entscheiden, dieses Geschenk anzunehmen und zu versuchen, jenen Ansprüchen gerecht zu werden, die es mit sich bringt. Vor allem aber in Christus Jesus zu bleiben!

So können wir uns in unserer Kirche, in der es genau wie in der Welt Licht und Schatten gibt, heute an Allerheiligen von den Heiligen daran erinnern lassen, dass es zum einen Gottvertrauen und Gottesnähe braucht, unsere Gemeinschaft untereinander mit Christus als unserem Haupt, zum anderen aber auch unsere Treue, Liebe und Geduld im Alltäglichen, im Gottesdienst und im Dienst am Nächsten und nicht zuletzt auch im Ertragen von Leiden, Verfolgung und Widerwärtigkeiten.

Wenn wir uns diese Treue zu Christus vornehmen und versuchen zu leben, dann bin ich sicher, dass gilt: „Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“ (Offb 2,10). Mit dieser Aussicht haben wir dann auch wirklich allen Grund zu feiern!

Gebet

Heiliger Geist, sei uns zugegen,
ergieße Dich mit Deiner Gnade in unsere Herzen.
Lehre uns, was wir tun sollen,
zeige uns, was wir denken sollen,
zeige uns, was wir wirken müssen.

Der Du die Wahrheit über alles liebst,
lass nicht zu, dass wir durcheinanderbringen,
was Du geordnet hast.
Unwissenheit möge uns nicht irreleiten,
Beifall uns nicht verführen,
Bestechlichkeit und falsche Rücksichten
mögen uns nicht verderben.
In Dir lass uns sein und in nichts abweichen vom Wahren.

Amen.

(Gebet der Konzilsväter, 1962)

 

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