Hausbau mit lebendigen Steinen – „Ein Heiliges Experiment“

Geistlicher Impuls im Januar

heiligesexperiment

Am 22. Januar feiert das Bistum Hildesheim den Gedenktag des Domes und damit verbunden den Heiligen Epiphanius von Pavia, dessen Gebeine im Hildesheimer Dom ruhen. Normalerweise. Denn der Dom zu Hildesheim ist immer noch eine Baustelle. Am 15. August wird der Dom wiedereröffnet und damit beginnt auch das Festjahr, denn 2015 wird das Bistum Hildesheim 1200 Jahre alt. „Ein Heiliges Experiment“ lautet das Motto.

Ein Grund zu feiern? Oder haben wir nicht andere Sorgen? Schrumpfende Mitgliederzahlen, Priestermangel, Skandale, Kirchenschließungen…

Ein Grund zu feiern? Aber sicher doch. 1200 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. In der Bistums- und in der Kirchengeschichte hat es auch schon andere Herausforderungen gegeben. Kirche, das ist kein statisches Konstrukt. Das merken wir in der Diaspora derzeit verstärkt. Darum ist es ein „Heiliges Experiment“, zu schauen wo wir stehen und wie wir mit dieser Situation umgehen können um die Botschaft Jesu Christi weiter zu verbreiten, denn sie ist auch nach 2000 Jahren immer noch aktuell!

Die Kirche ist nicht aus Stein erbaut

Gebäude sind in unseren Breitengraden häufig aus Steinen erbaut, auch unsere Kirchen. Fest stehen sie da, manche schon Jahrhunderte, andere erst seit einigen Jahrzehnten. An einigen nagt schon deutlich der Zahn der Zeit, andere haben einen neuen Nutzen gefunden, andere existieren nur noch in unseren Erinnerungen.

Seminarkirche

Die Kollegs- u. Seminarkirche Sankt Georgen, Frankfurt

Die Kirche, das ist mehr als nur ein Haus aus Steinen. Ohne die Menschen wäre dieses Haus leer und kahl. Daran erinnern mich vor allem die modernen Kirchen, die anders als vielleicht die Barock-Kirchen, eher schlicht sind und den Blick auf das wesentliche lenken sollen: Auf Gott und meine Beziehung zu ihm.
Ich habe etwas Zeit gebraucht um dies zu erkennen. Vor allem in unserer Seminarkirche hier in Sankt Georgen. Da ist das Kreuz, der Altar, das Spiel mit Licht und ansonsten nur eine große graue Wand. Gewöhnungsbedürftig, manchmal auch schon etwas erdrückend. Dann ist da aber die Ruhe in dieser Kirche, sowohl für das Auge als auch für die Ohren. Ein Ort der Sammlung, wo ich zu mir und so auch zu Gott finden kann.

Ein Haus aus lebendigen Steinen

Richtig schmuckvoll wirkt die Kirche aber erst zu den Gottesdiensten, wenn die Bänke voll mit dem Volk Gottes sind. Der Schmuck, dass sind wir, die wir zusammenkommen um zu Gott zu beten, Trost suchen, ihm Danken wollen oder einfach nur seine Nähe suchen.

Und so sind wir Menschen es,welche die Kirche bilden. Lebendige Steine, wie Petrus schon schreibt:

„Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen“ (1 Petr 2,5)

Wie habe ich mir lebendige Steine vorzustellen? Lebendige Steine, da ist Bewegung im Spiel. Anders als die festen Steine unserer Bauten, sind die lebendigen Steine in Bewegung, die einen mehr die anderen weniger. Auch in der Form unterscheidet sich ein lebendiger Stein von dem anderen. Der eine lebendige Stein hat mehr Lasten zu tragen, als der andere.

Schwer vorzustellen wie aus solchen Steinen ein Gebäude entstehen kann, welches Bestand haben soll. Ein sehr instabiles Gebilde oder?

Was kann also dieses Gebäude zusammenhalten, damit es nicht zusammenbricht? Es ist der Eckstein, der das Gebilde stabilisiert, der Eckstein Jesus Christus, “dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist“ (1 Petr 2,4). Er hält die Kirche zusammen, er ist der Grund auf dem wir stehen.

Nur wenn wir lebendig und in Bewegung bleiben, kann dieses Haus bestand haben, sonst verhärtet es sich, wird brüchig und fällt womöglich in sich zusammen.
Das spürt man vor allem in den Gemeinden, in denen man zwanghaft an altem festhalten möchte und keine Veränderung wagt, kein „Heiliges Experiment“. Dort brechen nach und nach die Steine weg.

Wir alle sind aufgefordert uns in diesem lebendigen Bauwerk einzubringen mit unseren Vorstellungen und unseren Talenten, mit denen uns Gott ausgestattet hat. Dann spüren vielleicht wieder mehr Menschen, wie lebendig unser Glaube sein kann.

Ein Experiment braucht Mut und Vertrauen. Glaube ist Vertrauen, Vertrauen auf Gott und auf unsere Mitmenschen. Also wagen wir gemeinsam das „Heilige Experiment“ und werden zu lebendigen Steinen. Dann werden vielleicht auch die Gebäude aus den anderen Steinen wieder für mehr Menschen ein Ort des lebendigen Glaubens sein, wo man Gott spürt.

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