/Fastenzeit – das meinst du doch nicht ernst!?

Fastenzeit – das meinst du doch nicht ernst!?

tumblr_n21lqySL9D1st5lhmo1_1280Zwei Schriftstücke sind mir dieser Tage wieder einmal in die Hände geraten: Die Fastenbotschaft Papst Franziskus’ und der Vierte der „Briefe über Selbstbildung“ von Romano Guardini.

Allenthalben findet der Papst zu dem, was er sagt große Zustimmung, die mich ehrlich freut. In seiner diesjährigen Botschaft zu Fastenzeit wiederholt er eine Forderung, die er schon oft in den vergangenen Monaten an uns gerichtet hat:

„Es bedarf dringend einer Umkehr der Gewissen zu den Werten der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Genügsamkeit und des Teilens.“

In meinen Ohren höre ich den Applaus aller Welt und sehe mich zustimmend diese Zeilen des Papstes lesen. Aber erfasse ich eigentlich, will ich eigentlich erfassen, was Franziskus mir da sagt? Mit diesem Satz und mit seiner Forderung nach einer armen Kirche?
Romano Guardini hält mir schonungslos den Spiegel vor: „Schon oft ist davon gesprochen worden, alles müsse natürlich und einfach werden […] Wir müssten bedürfnislos werden und ihr [der Welt] den Weg zeigen. Vielleicht haben wir sogar das große Wort von der Armut gesprochen, vom heiligen Franziskus geredet und gemeint, sein Geist der Armut, der königlichen Freiheit müsse erwachen. Aber: Haben wir davon gesprochen, wenn wir satt waren, und uns da die großen Worte, die heroischen Stimmungen erhaben durch die Seele gehen lassen? Oder aber, wenn es zu Hause knapp zuging, haben wir da mit Fröhlichkeit vorlieb genommen und der Mutter durch ein vergnügliches Gesicht ihre Sorgen erleichtert? Du verstehst, hier liegt der ganze Unterschied. Das erste waren Redensarten, das zweite Ernst.“

Keineswegs möchte ich Papst Franziskus hier „Redensarten“ vorwerfen! Mitnichten. Ich schaue auf mich! Ob meine Antwort auf seine Aufrufe, mein Fasten, meine Sorge um die Armen, mein Armwerden, ja mein ganzes gläubiges Leben eigentlich nur „Reden“ ist oder Ernst?! Ändert mich mein Leben mit Christus, ändert mich mein fastenzeitlicher Verzicht oder nutze ich ihn nur für mein ruhiges Gewissen und meine persönliche Zufriedenheit? Stellt sie sich ein, nicht trotz, sondern gerade wegen des Verzichts? Klopfe ich mir damit nicht buchstäblich nur auf die eigene Schulter? „Prima, kannst zufrieden sein.“

„Haben wir an Christi Armut gedacht, und dann […] verzichtet? […] nur, um „arm“, das heißt frei zu werden? Oder haben wir das Reden von der Armut als geistige Leckerei genossen?“ – Eine Frage Guardinis, die mich sicher in den letzten Tagen dieser Fastenzeit noch einmal sehr beschäftigen wird.

Umkehr und (Wieder-)Neuausrichtung zu Christus und zu den Mitmenschen ist mein Ziel für die Fastenzeit. Und damit auch ein Blick auf mein Fasten selbst, auf mich – weg vom eventuellen Selbstbetrug. Werden, was ich sein soll, wahrhaft und echt!
Einen Weg, ja DEN Weg dahin bietet uns die Kirche im Sakrament der Versöhnung.

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein;“ sagt uns Christus im Matthäusevangelium, „alles andere stammt vom Bösen.“ (Mt 5,37). Und Guardini endet seinen Brief mit diesem Zitat. „Das gilt auch hier [und immer]. Schlicht, ehrlich, echt. Dann kann auch der ganze Mensch dahinterstehen, die volle Tat, die wirkliche Treue. Und es wird eine Schule des Ernstmachens für alles übrige.“

Fastenzeit – Das mein´ ich ernst!

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