Ostern – Der ultimative Neuanfang

Geistlicher Impuls zum Osterfest 2014

von Jeremias Michael Kehren, OPraem

Manchen fällt es schwer, an die Auferstehung Jesu zu glauben und sich darüber zu freuen.

Einigen fällt es schwer, weil sie meinen, alles müsse wissenschaftlich – „mit eigenen Augen“ – einsehbar sein. Verbreiteter ist aber unter vielen Christen die Ansicht, dass es einfach irgendein Lehrsatz sei, der halt irgendwie dazu gehöre, aber keine wirkliche Relevanz für das eigene Leben habe. Deshalb wirkt bisweilen das traditionelle „Osterlachen“ eher hölzern und auch nach der Osternacht und dem Osterhochamt verbergen sie die Freude der Erlösten gekonnt…

Warum lässt uns Ostern manchmal so kalt? Warum gehen wir nicht auf die Straße und grüßen einander mit jenem Gruß, den sich auch die frühen Christen zuriefen: „Der Herr ist auferstanden! Halleluja! – Ja, der Herr ist wahrhaft auferstanden! Halleluja!“?

Es ist alles eine Frage des Glaubens! Nicht nur des Glaubens an das Dogma der Auferstehung, sondern des Glaubens an die Person Jesu Christi.  Jesus hat den Tod besiegt, der unser Leben fest im Griff hatte und uns das Ziel des Lebens verdeckte. In Jesus hat uns Gott neu geschaffen, uns von der Sünde befreit und uns so ermöglicht, dass auch wir auferstehen. Wir hören davon in der Rede des Petrus, die als Teil der Apostelgeschichte am Ostersonntag verlesen wird: Jesus ist der, von dem es heißt, „dass jeder, der an ihn glaubt, durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt“ (Apg 10,43). Jesus ist der Eckstein der neuen Schöpfung, wie es der Antwortpsalm besingt (Ps 118,22). In der festlichen Ostersequenz heißt es dann: „Das Lamm erlöst die Schafe: Christus, der ohne Schuld war, versöhnte die Sünder mit dem Vater.“

Der große Ostersieg ist die Versöhnung des Sünders mit Gott. Jesus bringt sich selbst als Opfer dar, damit wiruns heute mit Gott versöhnen können. Die Sünde bringt uns nicht mehr um, wie einst den alten Adam, sondern wir werden leben in Ewigkeit, wie Jesus Christus, der Adam der neuen Schöpfung! Ist das vielleicht der Grund, dass wir uns manchmal nicht freuen können? Weil wir schon fehlerfrei sind, keine Sünden begehen und die Erlösung eigentlich deshalb auch gar nicht wollen und brauchen? Vielleicht hilft es ja, sich einfach einmal einzugestehen, dass man nicht perfekt ist. Dass man Fehler macht und Gott und den Mitmenschen Vieles schuldig bleibt. Dass man ein Sünder ist. Diese Selbsterkenntnis kann man durch die Beichte einüben – gerade in der Zeit vor Ostern, angesichts des Verrats des Judas und der Kreuzigung. Diese Haltung der Demut und Selbstkenntnis ist die Richtige, um die Auferstehung Jesu als freudiges Ereignis, als Erlösung, als die einzige Rettung meiner Existenz anzuerkennen.

Dann kann ich wirklich mit dem Apostel Paulus, der in der zweiten Lesung des Ostersonntags zu Wort kommt, rufen:„Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid. Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden. Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit“ (1 Kor 5,7-8).

Dann ist Ostern für mich der ultimative Neuanfang, der Beginn eines neuen Lebens. Hier und heute und in der Ewigkeit.

Jeremias Michael Kehren ist Prämonstratenser der Abtei Hamborn

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