„Gott macht keinen Urlaub“

Geistlicher Impuls zur Ferienzeit

Im Sommer 2011 berichteten unter dieser Überschrift sieben Redakteure der Wochenzeitung die Zeit über ihre Ferienkirchen und ihre Eindrücke. Und es stimmt, was sie gleich zu Beginn festhalten: „Im Sommer werden auch Kirchenmuffel zu begeisterten Religionstouristen“. Nicht nur in dieser Hochzeit der Ferien und Urlaube, sondern generell auf Reisen. Natürlich steckt bei vielen einfach eine touristische Neugier, ein kunstgeschichtliches oder kulturelles Interesse oder vielleicht auch nur die Sehnsucht nach ein paar Minuten in erfrischender Kühle dahinter, aber doch würde wohl jeder eine Kirche als einen besonderen Ort beschreiben und nicht wenige suchen sicher auch im Urlaub und gerade dann auch dort in den Kirchen nach Sinn, innerem Frieden und Erholung.

Stadt Salzburg mit vielen Kirchtürmen

Ein beliebtes Urlaubsziel mit vielen schönen Kirchen: die Stadt Salzburg.

Aber diese Bilder von in Kirchen wandelnden Menschen auf der Suche bekommen tiefste Risse bei den Austrittszahlen der Kirche aus dem vergangenen Jahr, die dieser Tage vorgestellt wurden. Beides zusammen bringt die Spannung dieser Tage auf den Punkt: suchende Menschen – sich abkehrende Menschen. Während sie im Urlaub in die Kirchen strömen, eilen sie im Alltag eher hinaus. Während sie im Urlaub in den Kirchen etwas finden, werden sie im Alltag oft enttäuscht. Während sie nach dem Urlaub ihren Freunden von Kirchen vorschwärmen, wird im Alltag nur geschimpft.

Man könnte ganz leicht sagen, dass es einmal um das Gebäude Kirche geht, ein anderes mal, um die Institution oder die Gemeinschaft der Glaubenden. Aber stimmt das wirklich so schwarz-weiß? Allenthalben wird vom Tebartz-Effekt geschrieben, was sicher seine Berechtigung hat. Und 2010 waren es die Missbrauchsfälle. Aber übersehen wir bei diesen Spitzen nicht, dass wir ganz viele Menschen auch ohne diese grandiosen Abgründe verlieren würden?! Sind wir nicht all zu schnell dabei, ihnen, die der Kirche den Rücken kehren, dann auch die Gottesbeziehung und Gottsuche abzusprechen?

Es ist ein sehr nüchternes Fazit, aber Kirchenbauten ziehen mehr Menschen an, als die Kirche. Das ist vielleicht nichts Neues, aber etwas, dass uns endlich wecken sollte, genauso, wie die Austrittszahlen. Wenn toter Stein mehr Menschen erreicht als die „lebendigen Steine“, dann stimmt es nicht. Vielleicht liegt es daran, was die Überschrift der Zeit nahe legte: Gott macht keinen Urlaub. Er wirkt und zieht immer Menschen an sich. Auch durch das, was zu seinem Lob geschaffen wurde. Wir allerdings „ruhen“ uns immer noch aus auf angeblichem Aktionismus, auf alten Kirchenbildern, Strukturdebatten und innerkirchlichen Grabenkämpfen. Zeit, um den Urlaub zu nutzen und endlich lebendig zu werden in der eigenen Gottesbeziehung. Denn lebendiges Zeugnis braucht es. In ihm wirkt Gott. Und der macht keinen Urlaub.

Der Autor Michael Raab ist Priesterkandidat für das Bistum Limburg.

 

Wir wünschen allen Lesern eine erholsame und frohe Ferienzeit. Gottes Segen auf all Ihren Wegen! Das Team von gerne katholisch e.V.

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