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Brennende Sehnsucht

Geistlicher Impuls im August

Am 28.08 feiert die Kirche den Gedenktag des Heiligen Augustinus von Hippo und das ist doch ein guter Anlass, ihm mal einen Impuls zu widmen. Oft werde ich auf meinen berühmten Namenspatron angesprochen und nicht immer können andere meine Begeisterung für den Kirchenvater so auf Anhieb teilen. Und Augustinus ist ja auch tatsächlich kein einfacher Heiliger, ja selbst wenn man manch albernes Klischee beiseite räumt, bleibt er eine ziemlich sperrige, widersprüchliche Persönlichkeit.

Der große Seelsorger, der immer Menschen um sich haben wollte, ist zugleich auch der Vater einer pessimistischen Sicht auf den Menschen. Der Theologe der Gnade ist zugleich auch jener, der mit der Zuhilfenahme der römischen Truppen gegen die Donatisten einer verhängnisvollen Verquickung von religiösen Fragen und weltlicher Macht das theologische Fundament schuf. Der leidenschaftlich Liebende, nicht umsonst wird der Heilige Augustinus mit dem brennenden Herzen dargestellt, ist zugleich auch der Schöpfer eine zutiefst negativen Lehre von der menschlichen Sexualität, die bis heute ihren Niederschlag in der kirchlichen Lehre hat. Das alles ist Augustinus von Hippo und wird von den einen dafür unkritisch bewundert und von den anderen verteufelt.

Bild: Der Heilige Augustinus, Marienaltar der Stadtkirche in Langenzenn.
Quelle: Wikimedia Commons/Wolfgang Sauber

Warum also gerade ihn als Namenspatron? Zum einen ist es gerade die Widersprüchlichkeit, die mir den Heiligen Augustinus so nahbar und menschlich erscheinen lässt. Ein Mensch, der lange um eine Orientierung in seinem Leben gerungen hat, der auf Abwege geraten ist und mühsam umkehren musste, der scheiterte und wieder aufstand. Ich erkenne einen Menschen mit Stärken und Schwächen, einen Menschen, der mit Gott und sich selbst rang. Ja vielleicht ist er gerade in seiner Ambivalenz ein guter Wegbegleiter auf meinem Lebens- und Glaubensweg, der ja auch so oft uneindeutig und widersprüchlich ist.

Und dann ist da noch das Andere, was mir den Heiligen Augustinus zu einem großen Vorbild und Begleiter im Glauben macht. Sein ganzes Leben war geprägt von einer radikalen, leidenschaftlichen Suche nach Wahrheit. Schon früh hat ihn die Frage nach Gott beschäftigt und vielleicht war es gerade die Ernsthaftigkeit dieser Suche, die ihn erst spät den Weg in die Kirche hat finden lassen. Er suchte eine ihn befriedigende Antwort – und solche Antworten lassen manchmal auf sich warten. Die Kirche braucht immer diese radikal Fragenden, auch Hinterfragenden, gerade jene, die von außen auf uns gucken und oft auch kritisieren. Sie mögen oft unbequem und herausfordernd sein, aber sie helfen uns, immer wieder den wahren Kern unseres Glaubens frei zu legen und selbst nicht träge und allzu selbstsicher in unserem Glauben zu werden.

Bei Augustinus von Hippo war diese Suche nach Wahrheit nie rein intellektuell, nie nur von einem abstrakten Interesse getragen, sondern entsprang von einer tiefen Sehnsucht nach Beziehung zu Gott, nach Ganzheit und Frieden. Zutiefst ist Augustinus von dem Bewusstsein geprägt, das die Antwort auf alles Suchen und Fragen in Gott liegt, das es allein Gott ist, von dem her sein Leben Sinn und Erfüllung erfährt. Diese sehnsüchtige Hoffnung auf Gott ist es, die sein ganzes Leben prägt und vorantreibt.

Wir können von Augustinus lernen, nie selbstzufrieden in unserem Glauben und Leben zu werden, uns nie im Status quo einzurichten. Nicht in spießbürgerlicher Genügsamkeit, die ja so oft nur Bequemlichkeit ist, liegt das Wesen unseres Glaubens, sondern in der radikalen, leidenschaftlichen Frage nach Gott und der Bereitschaft, die Sehnsucht nie erlöschen zu lassen, die uns der Vollendung entgegen treibt.

„Das ewige Leben, die Unverweslichkeit und Unsterblichkeit von Leib und Seele, die Gemeinschaft der Engel, die himmlische Stadt, eine Würde, die bleibt, der Vater und das Vaterland, das sind die Gaben, die wir leidenschaftlich ersehnen müssen. Darum musst du mit Ausdauer beten, nicht mit vielen Worten oder vielen Reden, sondern mit großer Sehnsucht. Sehnsucht betet immer, auch wenn die Zunge schweigt. Denn wann schläft das Gebet? Es schläft nur, wenn unsere Sehnsucht abkühlt.“ (Sermones 80,7)

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