Nikolaus gegen Weihnachtsmann – worum geht es?

Vor kurzem las ich einen interessanten Blogbeitrag eines katholischen Theologen zum Thema „Nikolaus vs. Weihnachtsmann“. Der Autor möchte darstellen, dass die beiden „Figuren“ sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern nebeneinander in christlichem Kontext friedlich existieren können. Dabei sei der Weihnachtsmann eine Übertragung des russischen „Väterchen Frost“, der den Kindern die Weihnachtsbotschaft und dann später Geschenke brachte.

Schoko-Weihnachtsmänner

Schoko-Weihnachtsmänner

Im Westen sei der Hl. Nikolaus der Geschenkebringer gewesen; und zwar am Tag seines Gedenkens, dem 6. Dezember. Erst durch die Reformation und die damit einhergehende Ablehnung der Heiligenverehrung sei Weihnachten als Fest des Schenkens etabliert worden. Im 19. Jahrhundert schließlich sei, durch in den Westen ziehende Osteuropäer, die Tradition des „Väterchen Frost“ mit der des Hl. Nikolaus zu der des Weihnachtsmannes verschmolzen.

Aktionen wie die des deutschen Bonifatiuswerkes „Weihnachtsmannfreie Zone„, die die beiden Personen gegeneinander ausspielen wollen, kritisiert der Autor. Er schreibt:

„Die Geschichte könnte also ein gutes Ende nehmen, würden manche Katholiken nicht etwas verteidigen, was gar nicht verteidigt werden muss. Man kann den Bischof Nikolaus nicht dadurch stärken, indem man seinen osteuropäischen Verwandten vor die Tür setzt.“

Bis zu einem gewissen Punkt teile ich diese Meinung. Es ist sicherlich mehr „christliches“ am Weihnachtsmann, als wir heute denken. Schließlich dürfen wir nicht vergessen, dass „Santa Claus“ (wie der Weihnachtsmann in englischsprachigen Ländern heißt) einfach nur eine Abkürzung für „Saint Nicolaus“ ist. Aus der eigentlich gar nicht so weihnachtlichen Gestalt des Hl. Nikolaus, dessen Gedenktag sicher zufällig in den Advent fällt, ist in Vermischung mit einer Person, die an Weihnachten die Geschenke bringen muss, „Santa Claus“, der Weihnachtsmann geworden. Aber das ist eben Fakt: Der Weihnachtsmann in dieser Form ist erfunden – der Hl. Nikolaus nicht.

Insofern finde ich schon, dass man die Person des Hl. Nikolaus von der neuzeitlichen Mischfigur des Weihnachtsmanns gut abgrenzen sollte. Insbesondere dann, wenn am Nikolaustag tonnenweise Schoko-Weihnachtsmänner, statt Schoko-Nikoläuse in den Stiefeln der Kinder landen. Und wenn große Hersteller die Schoko-Hohlfiguren auch noch „Schoko-Nikolaus“ nennen, außen aber eindeutig kein Bischof Nikolaus zu sehen ist.

Daher bin ich froh, dass man in Süd- und sogar in Norddeutschland in größeren Supermärkten derzeit den „echten“ Schoko-Nikolaus zu kaufen bekommt. Der Hl. Nikolaus ist ein tolles Vorbild und aus eigener Erfahrung als Nikolaus in Kindergärten weiß ich, wie gerade kleine Kinder von der Legende des Hl. Nikolaus begeistert sein können, wenn sie sie hören.

Discussions

  1. Dr. Werner Kleine Reply

    Das wollen wir doch alle. Aber Sie schärfen das Profil nicht durch Abgrenzung. Das ist genau der Fehler. Auf Coca Cola geht bestenfalls der rote Mantel zurück, mehr nicht. Sie kommen da irgendwie aus der Werbefalle nicht heraus. Das ist aber gerade das, was durch Wiederholung nicht wahrer wird – oder sollen wir uns jetzt auch von Weihnachtsengeln distanzieren, weil die für die Werbung missbraucht werden.
    Ich habe schon verstanden, wie Sie das sehen. Aber die Behelfsfigur müssen Sie schon näher erklären. Die Wurzeln liegen doch eher tiefer.
    Da geben ich Ihnen Recht: Der 6.12. ist der Nikolaustag. Aber ich habe auch noch nie gehört, dass da vom Weihnachtmann die Rede war. Ich habe in fast 50 Jahren noch nie erlebt, dass im kath. Bereich dort vom Weihnachtsmann geredet wurde. Wogegen kämpfen Sie denn dann? Vielleicht fehlt einigen die Mitra – aber ist das ein Grund, einen Kulturkampf auszurufen? Das haben Sie nicht getan, ich weiß – aber andere tun es. Wenn Sie also nur den kath. Bereich meinen, geht Ihre Argumentation ins Leere. Im außerkatholischen Bereich dürften unsree Heiligen wohl kaum interessieren. Worum geht es denn dann wirklich? Die ganze Agitation ist irgendwie sinnlos – und wird auch so wahrgenommen. Bei solchen Aktionen wird der Eindruck erweckt, das Katholische hänge am „echten“ Schokonikolaus. Ehrlich gesagt: Das ist doch ein wenig mager (zumal der echte Schokonikolaus, der da vertrieben wird, auch etwas karikaturesk ist – aber das sei nur nebenbei bemerkt).
    Ich wiederhole mich deshalb: Ein Hoch auf den Nikolaus, aber lasst den Menschen doch die Freude am Weihnachtsmann. Und die Welt ist bisher auch nicht untergegangen, wenn jemand eine rotgerockte Schokofigur am 6.12. verschenkt hat, statt des echten Nikolaus. Die Kampagne ist ja ganz nett. Aber stärken Sie den Nikolaus ohne den negativen Beigeschmack der Abgrenzung. Dann haben Sie mich an Ihrer Seite.

  2. Stefan Salzmann Reply

    Lieber Herr Kleine, ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Mir geht es nur darum, das Profil des Hl. Nikolaus zu schärfen. Ich möchte eigentlich nur, dass klar wird, dass wir am NIKOLAUSTAG keine WEIHNACHTSMÄNNER verschenken sollten. Denn das sind zwei verschiedene Figuren. Dass der Hl. Nikolaus mit all seinen Legenden nur bedingt historisch ist, ist ja klar – so wie vermutlich viele Heiligen der frühen Kirche. Trotzdem bleibe ich dabei: der Hl. Nikolaus IST ein Heiliger unserer Kirche, der Weihnachtsmann ist maximal eine Behelfsfigur, die Geschenke bringt (wie Sie ja selbst zugeben, hat ihm Coca-Cola den letzten Schliff gegeben). Jeder darf seinen Kindern erzählen, was er möchte! Aber wir haben nunmal auch kirchliche Anlässe und Feste, und da gehört der Nikolaus an den 6.12., und da sehe ich nicht ein, warum ich eine (in seiner heutigen Form eindeutige) Werbefigur verschenken sollte. Übrigens: ich sehe hier keinen Anlass, anderen Leuten ihre Freude am Glauben absprechen zu wollen…

  3. Dr. Werner Kleine Reply

    Ein schöner Versuch. Leider ist der Verweis auf die Historizität des Nikolaus nicht ganz unproblematisch. Zum einen stünden dann eine Reihe anderer christlicher Kernpunkte zur Debatte (das Datum des Weihnachtsfestes, Ochs und Esel an der Krippe, die drei Könige waren keine usw. usw.), auch die Geschichten des Hl. Nikolaus, auf die der Nikolausbrauch zurück geht, sind eher Legenden und Mythen, als dass sie historisch verifizierbar wären. Das einzige, was man sicher über den hist. Nikolaus sagen kann, war, dass er am Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) teilnahm und da mit handfesten Argumenten dem Arius entgegen trat (siehe hierzu: http://www.kath-2-30.de/…/unter-den-daechern-von-nicaea/).
    Auch der Nikolausbrauch ist also mehr mythisch inspiriert als historisch. Kinder brauchen solche Mythen. Aber gerade deshalb ist das Historismus-Argument problematisch.
    Was haben denn Nikolaus und Weihnachtsmann überhaupt miteinander zu tun. Der eine ist für den 6.12., der andere für den 24.12. zuständig. Oder kommt der Nikolaus an Weihnachten?
    Ich befürtworte ja, Ihr Engagement für den Nikolaus. Warum man aber deshalb gegen den Weihnachtsmann agieren muss, das verstehe ich nicht. Dies Art von Kulturkampf ist nicht nur sachlich falsch, sondern schafft auch falsche Fronten. Ob man so gerne katholisch sein kann? Lassen Sie doch den Menschen die Freude am Weihnachtsmann. Ich glaube nicht ans Christkind, nicht an den Weihnachtsmann, sondern an den menschgewordenen Sohn Gottes. Aber ich freue mich an der Freude der Menschen – warum soll man ihnen das vermiesen?

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