/3 Fragen an… Ute Eberl

3 Fragen an… Ute Eberl

Wir haben mit der Referentin für Familien im Erzbistum Berlin und Auditrix (Gasthörerin) der außerordentlichen Bischofssynode zu Ehe und Familie im Oktober 2014 gesprochen.

Das Interview ist erschienen in der aktuellen Ausgabe des “Gerne katholisch Magazins“.

Gerne katholisch:
Frau Eberl, wie würden Sie die Stimmung bei der Synode beschreiben?

Ute Eberl bei der Synode in Rom
Ute Eberl bei der Synode in Rom (Foto: U. Eberl)

Ute Eberl: Papst Franziskus hat die Synode mit einem fulminanten Start eröffnet. Gleich zu Beginn hat er den Synodenvätern eingeschärft, sie sollten erstens frei und offen sprechen und zweitens einander gut zuhören. Er wolle nicht hören, dass nach der Synode dann einer sagt ‚eigentlich hätte ich ja noch gerne gesagt, aber…‘. Die Themen der Synode hatten und haben ja durchaus Brisanz: von unehelichen und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften über Geburtenkontrolle, Patchworkfamilien, Polygamie, Singles und Alleinerziehenden bis hin zur Frage der wiederverheirateten Geschiedenen und ihr Ausschluss von den Sakramenten reichte die Palette. Die Bandbreite heutiger Lebensrealitäten von Familien in- und außerhalb der Kirche weltweit ist groß: Alles sollte auf den Tisch kommen.

Erfahrene Synodenväter bestätigten mir: Das sind neue Töne, bei früheren Synoden hätte man sich eher gegenseitig bestätigt – jetzt durfte und sollte es auch kontrovers zugehen. Und da die Synodensprache nicht mehr Latein war, fiel das möglicherweise auch Vielen leichter. Manche sagten sogar, so müsse die Atmosphäre beim II. Vatikanischen Konzil gewesen sein.

Die Synode hat nicht erst im Oktober 2014 begonnen, sondern schon ein Jahr zuvor. Da wurden von Rom aus weltweit an alle Bischofskonferenzen Fragebögen verschickt mit der ausdrücklichen Bitte, die Fragen an die Gläubigen in den Pfarreien weiterzugeben: „Wir wollen wissen, was die Menschen denken und wie sie leben“, lautete die Ansage des Generalsekretärs der Bischofssynode in Rom, Erzbischof Lorenzo Baldisseri. Und die haben kräftig davon Gebrauch gemacht. Ein partizipatives Moment in der katholischen Kirche!

Mit den Antworten der Gläubigen, die die Arbeitsgrundlage,  das ‚instrumentum laboris‘, für die Synode bildeten, saßen die Familien sozusagen mit in der Synodenhalle! Und damit ihr beherztes Katholischsein wie auch die Kluft zwischen der Lehre der Kirche und dem Leben vieler Gläubigen! Franziskus wollte eine ehrliche Diskussion, in der alle Positionen vorgetragen werden können.

Er selbst hat sich aus den Debatten herausgehalten und ich glaube, genau dadurch hat er die offene Debatte ermöglicht. Die Stimmung in der Synodenhalle war geprägt von großer Ernsthaftigkeit und konzentriertem Arbeiten. Klar ging es da auch emotional zu! Denn – und das gilt für alle Synodenteilnehmer –  jeder kam ja mit einer Sorge: Wie kann die Kirche Familien mit ihrem Schatz, der sie auf alle Fälle sind, mit ihren Fragen, Hoffnungen und auch mit ihren Brüchen im Leben ernst nehmen und ihnen helfen.

Gerne katholisch:
Was waren dort für Sie Zeichen der Hoffnung, was fällt schwer mit Blick auf die Synode?

Ute Eberl: Als „Auditrix“ konnte ich mich ja hervorragend auf’s Hören konzentrieren. Das war wirklich ein Wechselbad: Manche Synodenteilnehmer haben dazu aufgerufen, nicht verkrampft, sondern  mit Sympathie auf die Welt zu blicken. Weil nur so der Schatz zu entdecken ist, der in Familien, aber auch in Patchworkfamilien oder in Ein-Eltern-Familien, bei Paaren, die nicht verheiratet sind oder die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften leben, da ist.

Werte werden auch außerhalb der regulären ‚katholischen Form‘ gelebt. Das gilt es wahrzunehmen und auch ins Wort zu heben! Andere warnten dagegen vor so viel Offenheit und sahen die Lehre der Kirche in Gefahr.

Aus allen Erdteilen berichteten die Synodenväter, dass Partnerschaft und Ehe brüchig geworden sind und dass die zivile Wiederheirat eine Realität ist. Sie forderten deshalb, dass die Ehenichtigkeitsverfahren beschleunigt werden sollen. Manche haben sich auch sehr differenziert dafür stark gemacht, dass man  wiederverheiratete Geschiedene nach Prüfung im Einzelfall zu den Sakramenten zulässt.

Das Interview und weitere Beiträge zum Thema Familie und Familiensynode finden Sie in unserem aktuellen
Das Interview und weitere Beiträge zum Thema Familie und Familiensynode finden Sie in unserem aktuellen “Gerne katholisch Magazin”.

Die einen sahen die Rettung der katholischen Familien in einer Intensivierung der Ehevorbereitung – wenn die Paare nur wissen worauf sie sich einlassen, wenn sie sich das Sakrament der Ehe spenden, dann können sie auch allen Herausforderungen standhalten. Andere hielten laut dagegen, das Sakrament der Ehe sei ein Sakrament der Verheißung und der Gnade – und kein Käfig!

In der ersten Synodenwoche habe ich den Schwung erlebt, mit dem die Synodenväter die Situationen von Familien aus aller Welt in den Blick nahmen. Das brachte wirklich frischen Wind – und löste heftige Diskussionen aus. In der zweiten Woche ging es dann darum, die Synodenteilnehmer wieder alle unter einem Dach zu sammeln. Dazu waren Kompromisse nötig.

Die offene Debatte, das gemeinsame Ringen um Antworten für die konkrete Seelsorge vor Ort, hat für mich genau das verwirklicht, was Papst Franziskus kurz nach seiner Wahl – ja, soll ich sagen als Motto? – gesagt hat: „Und jetzt gehen wir gemeinsam diesen Weg.“ Das spürbare Hoffnungszeichen ist die Bewegung: sich bewegen lassen vom Geist Gottes, von  den Erfahrungen der Gläubigen, von der Lehre der Kirche. Auch die Lehre der Kirche ist nicht in Stein gemeißelt, sie hat sich immer entwickelt und wird sich immer entwickeln. Für mich überwiegen die Zeichen der Hoffnung eindeutig!

Gerne katholisch:
Warum sind Sie gerne katholisch?

Ute Eberl: Was antwortet ein Fisch auf die Frage, warum er gern im Wasser schwimmt? Ich bin gerne katholisch, weil mich Gott mit seiner Zärtlichkeit umarmt. Er drückt nicht zu fest zu, er schenkt mir Freiheit und fordert mich heraus.

Die Bibel ist mir dabei Richtschnur, meine ‚Komfortzone‘ immer wieder zu verlassen und mich zu fragen, was Gott mit mir vorhat. Die Kirche, ganz konkret in der Gemeinschaft der Gläubigen, gibt mir Halt: ich bin 52, also auch nicht mehr ganz jung, sitze aber in der Messe gern mitten unter den Senioren, Männern und Frauen, die schon viel mehr erlebt und mitgemacht haben in ihrem Leben als ich – gemeinsam Gott loben, das ist es!

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