/“Glauben im gemeinsamen Haus”

“Glauben im gemeinsamen Haus”

Am Pfingstfest 2015 veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika zur Umwelt Laudato si’. Sie trägt den Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. In den Medien – sowohl innerkirchlich als auch außerhalb – hat sie eine große Resonanz und Lob gefunden. Als kirchliches Lehrschreiben ermahnt der Papst aber natürlich nicht nur Wissenschaftler, Politiker und Mächtige zum Handeln für einen effektiveren Schutz der Umwelt, sondern er sagt auch etwas über den christlichen Glauben und dessen Verbindung zur Umwelt aus. Drei Aspekte aus der Enzyklika fand ich persönlich besonders ansprechend für das persönliche Glaubensleben:

1) Schöpfung als Zugang zum Glauben
Das gemeinsame Haus von dem im Untertitel die Rede ist, ist Gottes Schöpfung. Sie ist entscheidend für den Glauben, denn sie lässt sich – wie Franziskus schreibt – als ein Buch lesen, „in dem Gott zu uns spricht“ (LS 12). In der Schönheit, dem Mysterium der Schöpfung können wir Gott finden und Seine Größe erahnen. Sie kann uns ins Stauen versetzen und dankbar machen. Stauen und Dank über die großen Taten und die große Liebe Gottes. Franziskus betont auch, dass Gottes lebensspendender Geist in jedem Geschöpf wohnt und uns in eine Beziehung mit Ihm ruft (vgl. LS 88). Die Schöpfung, die Umwelt in der wir leben sind ein Zugang zu Gott. Mit diesem Gedanken im Hintergrund kann sich mein Blick auf die Welt ändern. In der Begegnung mit meiner Umwelt, kann ich Gott begegnen.

2) „Wir sind nicht Gott“ (LS 67)
Wir Menschen sind Teil der Schöpfung und stehen nicht außerhalb der Umwelt. „Wir sind nicht Gott“ (LS 67) schreibt Franziskus. Das anzuerkennen mag auf den ersten Blick etwas schwerfallen, steht doch der Mensch oft im Mittelpunkt und bedient sich der Schöpfung. Aber ich darf gleichzeitig auch anerkennen, dass ich geschaffen bin und mein Leben ein Geschenk ist. Ich verdanke mich Gott. Ich darf vertrauen, dass Gott mich nicht verlässt, Er bleibt Seiner Schöpfung in Liebe treu: „Niemals macht er in seinem Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben“ (LS 13). Ich bin nicht Gott und ich brauche es auch nicht zu sein. Aber Gott ist da.

3) Glaube ist nicht isoliert
Als Teil der Schöpfung bin ich eingebunden in ein größeres Ganzes. Ich bin nicht isoliert von anderen Menschen, nicht isoliert von anderen Geschöpfen und nicht isoliert von Gott. Das menschliche Dasein gründet sich auf drei fundamentale, eng miteinander verbundene Beziehungen: die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Erde (vgl. LS 66). Als gläubiger Christ darf es mir daher nicht egal sein, was um mich herum geschieht. Als Glaubender bin ich Mitbewohner im gemeinsamen Haus, als Glaubender lebe in dieser Welt, als Glaubender stehe ich in Beziehung zu anderen Menschen und zur Umwelt. Franziskus drückt es klar und deutlich aus: „Alles ist miteinander verbunden“ (117).
Gerade dieser Punkt ist für mich ganz entscheidend: Mein Glaube ist persönlich, aber nicht privat. Er hat mit den Menschen und anderen Geschöpfen um mich herum zu tun. Er bleibt nicht bei mir, sondern fordert mich heraus zum Einsatz für andere. Glauben fordert Aktion, will hinaus und in der Welt wirken. Die Welt ist der Ort des Glaubens und auch der Ort der Kirche. Der Glaube ist nicht gleichgültig, sondern braucht einen Bezug zu meiner Umwelt. Der Glaube kann das gemeinsame Haus prägen und gestalten.

Am 1. September begeht die Kirche seit 2015 einen Gebetstag für die Bewahrung der Schöpfung. 

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