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Outside-In

Geistlicher Impuls von Diplom-Theologin Mareike Jauß, Bistum Aachen

„Du nicht! Du gehörst nicht dazu!“ Wie oft hört man diesen Satz, wenn man Kinder beim Spielen beobachtet. Es scheint, als gäbe es in der menschlichen Psyche ein Bedürfnis, Menschen auszuschließen. Kriterien zu haben, die darüber entscheiden, ob jemand „dazugehört“ oder nicht.

09152Ein solches Ausschlusskriterium kennen auch die Jünger im Evangelium dieses Sonntags: Wer ihnen nicht nachfolgt, darf nicht im Namen Jesu Dämonen austreiben. Die Antwort Jesu hierauf mag überraschen:

„Wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“ (Mk 9,40f.)

Augustinus hat diese Aussage später so umschrieben: „Viele sind drinnen, die draußen sind, und viele sind draußen, die drinnen sind.“ Der kleine Dienst, der Becher Wasser, rückt die von Draußen nach drinnen. Damit ist die leidige Frage, wer denn nun zu Jesus gehöre und wer nicht, eindeutig beantwortet: Jeder, der sich barmherzig und solidarisch verhält, gehört dazu. Jeder, der Grenzen abbaut, die Leben verhindern, handelt im tiefsten Sinne christlich.

Wie passend, dass die Leseordnung das Evangelium ausgerechnet für diesen Sonntag vorsieht, an dem die bundesweite Interkulturelle Woche beginnt, zu der jährlich auch ein „Tag des Flüchtlings“ gehört.

Denn Jesus hat auch eine Mahnung für all diejenigen parat, die nicht barmherzig und solidarisch handeln:

„Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.“ (Mk 9,43)

Wer seine Türen verschließt, weil er Angst um seinen Wohlstand hat, wer die Not der Flüchtlinge ignoriert und ihnen seine Hilfe versagt, der rückt immer weiter nach „draußen“ und mag er noch so oft in die Kirche gehen.

Ungeheuerlich, dass sich Menschen  in der Öffentlichkeit als „Christen“ (also als zu Christus gehörend) ausgeben, Sonntag für Sonntag ihre Zugehörigkeit zum Leib Christi feiern, gleichzeitig aber fordern, dass Flüchtlinge „draußen“ bleiben sollen. Diesen Menschen sei noch ein anderes Wort Jesu gesagt:

„Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ (Mt 12,30)

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