Ein Advent, der Kirche und Welt erneuern kann

1215Geistlicher Impuls zum Advent von Kaplan Christian Fahl

In diesen Tagen  – vielerorts ist passenderweise schon der erste Schnee gefallen – beginnt wiederum die Adventszeit. Während an vielen Orten die Weihnachtsmärkte öffnen, Glühweingeruch in die Nase steigt und die Einkaufszentren gewohnt überfüllt sind, hat Papst Franziskus eine wichtige Frage gestellt: Wie werden wir Weihnachten feiern können, wenn immer größere Teile der Welt unter Armut, Krieg und Chaos leiden, wenn zehntausende Menschen auf der Flucht sind. Wörtlich sagte Papst Franziskus bei einer Heiligen Messe im Vatikan:

Aber auch heute weint Jesus. Da wir den Weg des Krieges, den Weg des Hasses, den Weg der Feindschaften bevorzugen. Wir sind nah an Weihnachten: dort wird es Licht geben, Feste, hell erleuchtete Bäume und auch Krippen, … alles wird in Ordnung gebracht: Aber die Welt fährt fort Krieg zu führen, um Krieg zu führen. Die Welt hat den Weg des Friedens nicht verstanden.“ (Radio Vatican) 

Die Mahnung des Papstes berücksichtigt, wer im christlichen, im katholischen Sinn die Adventszeit nicht nur äußerlich, sondern mit dem Herzen feiert. Advent ist eine dunkle Zeit: Wenn wir den Adventskranz oft im Dunkeln entzünden, dann denken wir dabei an die Heilige Familie, die unter widrigen Umständen selbst auf der Flucht war, denken an die hochschwangere Maria, die keinen Platz im warmen fand, denken an den Erlöser der Welt, der im Stall zur Welt kam.

Advent nimmt die Sorgen des Papstes – und die Sorgen von Millionen Menschen – auch heute ernst: Die Weihnachtsgeschichte – sie ist auch heute beängstigend aktuell. Gerade in diesen Zeiten bin ich besonders gerne Katholisch.

Im Advent wird im Dunklen ein Licht am Kranz entzündet, erst eines, und dann Woche für Woche ein Licht mehr. Advent drückt damit eine große Hoffnung aus: Dass die Liebe Gottes uns Kraft schenkt, gerade jetzt für alle Notleidenden und Entrechteten einzutreten, ihnen zu helfen, für sie zu beten – weil wir in jedem Menschen in Not das Angesicht des Gottes erkennen, der selbst gelitten hat – und der uns am Kreuz das geschenkt hat, was die Welt heute dringender denn je benötigt: Erlösung von unseren Fehlern und Sünden, die Kraft zur Vergebung und zum Neubeginn.

Advent drückt somit unsere begründete Hoffnung aus, dass Gott selbst versprochen hat, dass das Dunkel der Welt nicht das letzte Wort hat, sondern dass das Licht Gottes, das Licht seiner Barmherzigkeit, seine Liebe und erlösende Kraft auch dann das letzte Wort hat, wenn die Welt im Dunkel der Zerstörung nahe scheint – wie das kleine Licht des Adventskranzes schon einen großen Raum erhellen kann.

Advent ist damit im besten Sinne eine Zeit der katholischen, weltweiten, allumfassenden Neubesinnung und der Umkehr. Die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest – im stillen Gebet, dem Sakrament der Versöhnung ebenso wie in sichtbaren guten Werken – kann Kirche und Welt erneuern. Wir alle haben das dringend nötig. Gerne katholisch – weil Gott genau dort, wo wir nichts mehr zu erhoffen wagen, Geschichte gewendet und uns neue Hoffnung geschenkt hat.

Der Advent – hoffentlich verändert er Deine und meine Welt. „Reiß doch den Himmel auf – und komm herab.“

 

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