/Ja! Oder?

Ja! Oder?

Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1,45)

Das Evangelium des vierten Adventssonntages richtet unseren Blick auf Maria, die Gottesmutter. Als Mutter der Kirche und als unsere Mutter weitet der Blick des Evangeliums sich über den Blick auf die einzelne Person hinaus. Und die Frage ist schlicht und doch existenziell: Gilt der Satz, den Elisabeth zu und über Maria sagt, auch für mich, für uns und die Kirche?

Wie oft erwische ich mich dabei, dass ich erstmal alles in “trockenen Tüchern” wissen will, bevor es losgeht. Da wird geplant, beraten, nachgefragt, der Rahmen der Unternehmung abgesteckt. Dieses Denken bemerke ich bei mir, aber auch um mich herum und in der Kirche. Erst einmal planen. Sicher ist sicher, gerade in diesen unsicheren Zeiten.

Wie war das wohl bei Maria, dem Mädchen, zu dem der Engel gesprochen hatte.

Ich stelle mir vor, wie die Weihnachtsgeschichte, die Geschichte des Christentums und der Welt verlaufen wäre, wenn Maria zwar ihr “ja” gesagt hätte, aber sie mit Josef dann erst einmal die Rahmenbedingungen hätte klären wollen. Wenn sie vorab ein Herbergszimmer und die “Reise” nach Bethlehem oder den “Spontan-Trip” nach Ägypten hätte klären wollen. – Sie wären sicher gar nicht erst losgegangen.
Wenn die Hirten und die Sterndeuter so auf Sicherheit bedacht gewesen wären.
Oder, als diese sich entschlossen hatten zur Krippe zu gehen, Maria ihnen erstmal gesagt hätte, was sie jetzt bitte noch tun und glauben müssen. – Wohl keine Verkündigung der Geburt des Herrn in der Welt.
Und später: Wenn Maria bei der Hochzeit zu Kana nicht ihr “Was er euch sagt, das tut.” (Joh 2,5) gesagt hätte, sondern vorab die Beschaffenheit der Krüge und die Wasserqualität überprüft hätte.
Wenn die Jünger beim Aussendungsbefehl erst einmal die Dauer der Reise, die Strukturen und Inhalte hätten wissen und festlegen wollen, bevor sie sich aufmachen, um das Reich Gottes zu verkünden.

Diese Aufzählung ließe sich beliebig weiterführen, von Abrahman, über Mose, das ganze Volk Israel, Johannes denn Täufer, Zachhäus, Martha und Maria und viele andere, eben bis zu uns! Der Herr will unser “ja”, will unsere Bereitschaft. Aber kann die sich darin erfüllen, dass wir zuerst  Rahmenbedingungen und Klärungen für alles wollen, bevor wir ihn und seine Botschaft zu den Menschen bringen?

Ich möchte sicher nicht der Beliebigkeit Tür und Tor öffnen! Auch Maria hat sich nicht blind ergeben, sondern überlegt und nachgefragt (vgl. Lk 1,26-39), ebenso wie die anderen, die ich als Beispiele genannt habe. Es braucht auch Vergewisserung des Wortes Gottes und des Glaubens, ohne Zweifel. Auch das lehren sie uns.

Aber im Letzten haben sie alle schlichtweg geglaubt und vertraut – und Gott und seinen Geist wirken lassen.
Gott wird Mensch! Und er fragt auch uns heute nach unserem “ja”. Immer wieder. Er lässt uns Zeit und Raum zum Nachdenken, zum Überlegen, zum eigenen Tun. Bietet uns die verschiedensten Möglichkeiten des Arbeitens in seinem Weinberg. Im letzten will er unseren Glauben und unser Vertrauen auf ihn, unser Tun mit ihm und auf die Zusage, dass es auf jeden von uns ankommt.
Wenn wir das schaffen, wenn wir in ihm und mit ihm so leben können, dass die Menschen, denen wir begegnen, vor Verwunderung und Freude bewegt werden wie Elisabeth, dann werden sie auch zu uns und über uns sagen können:

Selig die, die geglaubt haben, dass sich erfüllt, was der Herr ihnen sagen ließ.

Und dann, dann ist wirklich Advent!

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