„Auf was dürfen wir noch hoffen?“

Geistlicher Impuls zum Weihnachtsfest von Marina Thebbe, Pastoralreferentin in Frankfurt am Main

Diese Überschrift las ich nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19.12.2016 und sie ließ mich nicht mehr los.
Auf was dürfen wir noch hoffen?
Vor Weihnachten wird oft das ganze Ausmaß einer menschlichen Existenz auf das Scheitern reduziert. Es ist ein Fest, das in den Medien überfrachtet wird mit der ideellen Vorstellung eines Familienlebens ohne Streit, Verlust und Problemen. Es wird suggeriert, dass der Kauf eines perfekten Weihnachtsgeschenks das größte Problem dieser Tage sei.

Dabei sind es eher diese Bilder, die die Menschen an sich zweifeln lassen und mit den eigenen Brüchen stärker in Berührung bringen. Denn die Realität sieht anders aus. In diesen Tagen denke ich besonders an die Menschen, die ihr erstes Weihnachten ohne einen geliebten Menschen begehen. Ich denke an die Menschen, die in ihrer Familie schmerzvolle Brüche erlebt haben und keine Heilung in Sicht ist. Ich denke an die Menschen, die sich nach einer schweren Diagnose die Frage stellen, ob dies ihr letztes Weihnachten auf Erden sein wird. Ich denke an die Menschen, die alleine sind in diesen Tagen. Wo bleibt da die Hoffnung?

Als Kind habe ich nie verstanden, was das soll, wenn im Religionsunterricht von Hoffnung gesprochen wurde. Denn in dieser Unbeschwertheit war es fast schon unnötig auf etwas zu hoffen.
Aber Hoffnung wird uns eben genau dort geschenkt wo wir sie am meisten brauchen: An den Tiefpunkten. Gott ist Mensch geworden in einer Welt, die voll ist von Tiefpunkten, damals wie heute. Es ist eine Welt, in der Fehler geschehen und Unvollkommenheit ihren Platz hat. In der Brüche zum Leben gehören.
In diese Welt hinein ist Gott Mensch geworden und das als kleines Kind in der Armut einer Futterkrippe in der Fremde. Damit nimmt sich Gott unserer Armut an.
Er zeigt sich besonders solidarisch mit den Menschen, die sich selbst als hilfebedürftig wahrnehmen. In diesem Miteinander zwischen Gott und Mensch liegt die große Hoffnung an Weihnachten: Gott wird Mensch, ein Mensch wie wir und hat mit uns Gemeinschaft.

In Jesus Christus zeigt sich uns der Weg zu einem Leben mit Gott und nährt unsere Hoffnung, dass diese Welt über die sichtbare hinausgeht. Er gibt die Hoffnung, dass mein Schmerz nicht nur mein Schmerz bleibt, sondern er ihn mit mir trägt. Er gibt mir die Hoffnung, dass wir damit letztlich bei ihm geborgen sind.
Wenn Gott Mensch wird in einer Welt wie dieser, zeigt mir dies, dass diese Welt voller Hoffnung ist.

So kann ich die Frage in der Überschrift beantworten: Wenn wir auf eines mit Sicherheit noch hoffen dürfen, dann ist es Gott.

Das ganze Team von Gerne katholisch e.V. wünscht Ihnen ein hoffnungsvolles, friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest!

Ihr Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.