/Jetzt geht’s wieder los! Ehrlich!

Jetzt geht’s wieder los! Ehrlich!

Geistlicher Impuls zur Fastenzeit von Dag Heinrichowski

Jedes Jahr auf’s Neue: Aschermittwoch, Fastenzeit, Umkehr. Eine Zeit beginnt, die mit einer klaren Botschaft verbunden ist: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ Einerseits kann Enttäuschung mit der ständigen Wiederkehr dieser Umkehr verbunden sein: Schon wieder werde ich darauf gestoßen, was ich eigentlich schon weiß – ich bin nicht perfekt, nicht alles läuft rund – oder wie Papst Franziskus es in seinem ersten großen Interview als Papst auf die Frage „Wer ist Jorge Mario Bergoglio“ gesagt hat: „Ich bin ein Sünder.“ Andererseits ist es wirklich Gnade, wenn ich immer wieder neu auch auf meine Schwächen, meine Grenzen, meine Fehler schauen darf und darin die Möglichkeit entdecke, umzukehren, neu zu beginnen, dem Evangelium mehr zu glauben.

„Postfaktisch“ ist das Wort des Jahres. Vielleicht kann die Fastenzeit einen Kontrapunkt zu diesem Wort setzen, in dem sie eine Zeit wird, in der ich mich auf die Fakten meines Lebens blicke, bei den Fakten bleibe: Wie steht’s um meine Beziehungen? Wie ist mein Verhältnis zur Umwelt? Wie geht es mir mit mir selbst? Wo kommt Gott in all’ diesen Bereichen vor? Meine eigene Realität, die Fakten anzuschauen kann anstrengend sein und enttäuschend, meinem Ideal werde ich ja doch selten gerecht. Und auch das Bild, das andere von mir haben sollen, ist oft mehr Wunsch als Realität. Aber diese Fakten können Ausgangspunkt für Umkehr sein und vor allem Ansatzpunkte für Gottes Handeln. Wenn ich mich für meine Wahrheit öffne und sie annehme, dann kann ich mich auch Gottes Wahrheit öffnen. Immer wieder neu lädt er mich ein zur Umkehr, zur Gemeinschaft mit ihm, zur Vergebung.

Ich brauche nicht so tun, als ob und mir und anderen etwas vorgaukeln. Ich darf ehrlich sein, die Fakten Fakten sein lassen und dann dahinter – irgendwie also doch postfaktisch – etwas Größeres entdecken. Etwas, das ich nicht machen kann, aber was mich umfängt: Gottes Liebe und Barmherzigkeit, seine Einladung zur Umkehr – immer wieder auf’s Neue. Oder mit den Worten von Paulus: „Nicht, dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.“ (Phil 3, 12)

Eine gesegnete Fastenzeit!

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