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Wahrheit und Freiheit?!

Geistlicher Impuls zum Advent von Michael Raabadvent16

„Die Wahrheit wird euch frei machen.“ – Dieses Wort Jesu aus dem Johannesevangelium kommt mir in den letzten Wochen immer wieder in den Sinn, wenn ich so auf die weltpolitische Bühne schaue, die mir ehrlicherweise manchmal Angst macht.

Aber wie schaut´s eigentlich bei mir aus? Alles im Reinen? Schon vorbereitet auf Weihnachten? Also nicht nur die Wohnung geschmückt, sondern „innendrin“? Alles wahr, alles frei? Kein Verstellen, kein Theater?

Zu Beginn des neuen Kirchenjahres will uns die Adventszeit neu vorbereiten und einstimmen auf das Fest der Menschwerdung Gottes in der Welt. Aber irgendwie ist die Vorbereitung doch immer mehr schon mit Festtagsstimmung überlagert. Der Advent als Zeit der Vorbereitung fällt oft schon aus, weil überall schon Christbäume und Weihnachtsgebäck und –musik und und und zu sehen, zu schmecken und zu hören sind. Kaum ein Fest kündigt sich so sehr durch das Licht an wie Weihnachten. Überall sieht man in diesen Tagen schon den Lichterschein von Kerzen und vielfältigem, manchmal auch schrecklichem, elektrischem Lichterglanz. Es wird in den kommenden Wochen auch gesungen werden vom „Licht, das die Nacht erhellt“, vom „hellen Stern in der dunklen Nacht“ und vom „Blümelein“, das mit seinem hellen Schein die Finsternis vertreibt. Und auch aus den Evangelientexten rund um Weihnachten kennen wir Passagen zum Licht: Der Engel, der den Hirten von der Geburt Jesu berichtet, erstrahlt in hellem Licht und taucht die Hirten in den „Glanz des Herrn“ (Lk 2,9), und die Sterndeuter folgen dem hellen Stern, bis dieser an der Stelle stehenbleibt, wo sie das Kind finden (Mt 2). (mehr …)

Ja! Oder?

16Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ. (Lk 1,45)

Das Evangelium des vierten Adventssonntages richtet unseren Blick auf Maria, die Gottesmutter. Als Mutter der Kirche und als unsere Mutter weitet der Blick des Evangeliums sich über den Blick auf die einzelne Person hinaus. Und die Frage ist schlicht und doch existenziell: Gilt der Satz, den Elisabeth zu und über Maria sagt, auch für mich, für uns und die Kirche?

Wie oft erwische ich mich dabei, dass ich erstmal alles in „trockenen Tüchern“ wissen will, bevor es losgeht. Da wird geplant, beraten, nachgefragt, der Rahmen der Unternehmung abgesteckt. Dieses Denken bemerke ich bei mir, aber auch um mich herum und in der Kirche. Erst einmal planen. Sicher ist sicher, gerade in diesen unsicheren Zeiten.

Wie war das wohl bei Maria, dem Mädchen, zu dem der Engel gesprochen hatte.

Ich stelle mir vor, wie die Weihnachtsgeschichte, die Geschichte des Christentums und der Welt verlaufen wäre, wenn Maria zwar ihr „ja“ gesagt hätte, aber sie mit Josef dann erst einmal die Rahmenbedingungen hätte klären wollen. Wenn sie vorab ein Herbergszimmer und die „Reise“ nach Bethlehem oder den „Spontan-Trip“ nach Ägypten hätte klären wollen. – Sie wären sicher gar nicht erst losgegangen. (mehr …)

Freut euch und jubelt?!

imageGeistlicher Impuls zum 3. Advent

Die liturgischen Texte heute sind schon schwere Kost, finde ich, gerade in dieser Zeit.
Gaudete! – „Freu dich und frohlocke aus ganzem Herzen“ (Zef 3,14) und „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!“ (Phil 4,4) aus den Lesungen des Tages kommen mir schwer über die Lippen im Angesicht von Terroranschlägen, kriegerischen Auseinandersetzung, Flüchtlingsströmen, Klimagipfel oder auch „Vatileaks 2“ und so mancher innerkirchlicher Diskussion und Situation. Da ist mir die Frage aus dem Evangelium sehr viel näher: „Was sollen wir also tun?“ (Lk 3,10)

Viele ringen im Moment um Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Jeder von uns wird sicher auch Antworten suchen und vielleicht auch geben können. Im Evangelium ist es Johannes, der die Antworten gibt, wieder und wieder. Gleich wer kommt, erhält Antwort.
Antwortende gibt es auch heute in der Welt und in der Kirche. Aber oft vergessen Sie und wir beim Antworten vielleicht die entscheidende Tatsache, die Johannes bewusst ist.
Er weiß, dass er nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Im Letzten verweist er auf den, der nach ihm kommt. „Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“ (Lk 3,16)

Herr, Jesus Christus,
oftmals fühle ich mich hin- und hergerissen.
Zwischen meinem Tun und dem Vertrauen auf dich,
zwischen meinem Reden und dem Hören auf dich,
zwischen meinen Antwortmöglichkeiten und dem,
was im Letzten nur du beantworten und lösen kannst.
Hilf mir, deiner Kirche und der Welt,
die Antworten zu geben, die in unserer Macht stehen
und den Trost zu spüren, nicht alles wissen zu müssen.
Sei mir nahe,
komme immer neu in die Welt,
dann gibt es Antwort,
dann ist Grund zu Freude.
Gaudete – Amen.

Bereitet dem Herrn den Weg!

15Impuls zum 2. Adventssonntag

Der Rufer in der Wüste kommt uns heute im Evangelium zu Ohren. Zum ersten Mal habe ich mich in diesem Jahr gefragt, was Johannes da eigentlich gemacht hat in der Wüste, bevor er Gottes Stimme vernahm, in die Gegend am Jordan zog und wirklich das Rufen begann. Die Schrift sagt wenig dazu. Bei Matthäus erfahren wir noch etwas über die Kleidung und die Nahrung des Johannes, aber dann kommt der große Auftritt und das Verkünden.

Auch heute haben wir viele Rufer in der Kirche. Aber ich frage mich, ob sie alle die Wüste erlebt haben? Ob sie, bevor sie rufen, die Wüste suchen – freiwillig. Ob sie sich, wie ich, denken, dass Johannes genau diese Zeit gebraucht hat, um dann die Menschen begeistern zu können?

Ich meine: Wer vom Glauben sprechen will, der muss die Wüste erlebt haben. Die Wüste des eigenen Lebens und des eigenen Glaubens. Der muss Durststrecken kennen. (Und die Kamele, die einem begegnen können…)

Aber noch mehr steckt in dieser Wüste des Johannes. Das ist nicht nur ein menschenunfreundlicher Ort, nicht nur Mühsal und Not. Im Gegenteil. Es ist der Ort, an dem Johannes so zu leben lernt, ja das leben kann und will, was er von Gottes Wort verstanden hat. An Gottes Wort und Willen richtet er sich aus, sein Auftreten, seine Kleidung, seine Nahrung, seinen Aufenthaltsort – sein ganzes Leben. Und siehe da: Der Herr ruft ihn, von ihm zu sprechen.

Zu oft meine ich, wir verwechseln die Reihenfolge wenn es um den Glauben und seine Verkündigung geht. Mea culpa. Wer vom Glauben sprechen will, wer anderen vom Glauben erzählen will, der muss sich ergreifen lassen von Gott und sein Leben nach ihm ausrichten. Dann braucht es vielleicht zumindest im engen Umfeld viel weniger oder gar keine Worte, um vom Glauben zu erzählen, weil unser ganzes Leben erzählendes Evangelium wird – frohe Botschaft vom Reich Gottes und von dem, der Mensch wird, um uns zu zeigen wer und wie Gott ist.

Ein Advent, der Kirche und Welt erneuern kann

1215Geistlicher Impuls zum Advent von Kaplan Christian Fahl

In diesen Tagen  – vielerorts ist passenderweise schon der erste Schnee gefallen – beginnt wiederum die Adventszeit. Während an vielen Orten die Weihnachtsmärkte öffnen, Glühweingeruch in die Nase steigt und die Einkaufszentren gewohnt überfüllt sind, hat Papst Franziskus eine wichtige Frage gestellt: Wie werden wir Weihnachten feiern können, wenn immer größere Teile der Welt unter Armut, Krieg und Chaos leiden, wenn zehntausende Menschen auf der Flucht sind. Wörtlich sagte Papst Franziskus bei einer Heiligen Messe im Vatikan:

Aber auch heute weint Jesus. Da wir den Weg des Krieges, den Weg des Hasses, den Weg der Feindschaften bevorzugen. Wir sind nah an Weihnachten: dort wird es Licht geben, Feste, hell erleuchtete Bäume und auch Krippen, … alles wird in Ordnung gebracht: Aber die Welt fährt fort Krieg zu führen, um Krieg zu führen. Die Welt hat den Weg des Friedens nicht verstanden.“ (Radio Vatican) 

Die Mahnung des Papstes berücksichtigt, wer im christlichen, im katholischen Sinn die Adventszeit nicht nur äußerlich, sondern mit dem Herzen feiert. Advent ist eine dunkle Zeit: Wenn wir den Adventskranz oft im Dunkeln entzünden, dann denken wir dabei an die Heilige Familie, die unter widrigen Umständen selbst auf der Flucht war, denken an die hochschwangere Maria, die keinen Platz im warmen fand, denken an den Erlöser der Welt, der im Stall zur Welt kam.

Advent nimmt die Sorgen des Papstes – und die Sorgen von Millionen Menschen – auch heute ernst: Die Weihnachtsgeschichte – sie ist auch heute beängstigend aktuell. Gerade in diesen Zeiten bin ich besonders gerne Katholisch. (mehr …)

#JesuGeburt

tweet_kathUnter dem Hashtag (eine Art Schlagwort oder Kategorie in sozialen Netzwerken) #JesuGeburt twittert katholisch.de die Weihnachtsgeschichte in den twitterüblichen 140 Zeichen. Sehr gut, meine ich. Die frohe Botschaft gehört auch in dieses Neuland und auch wir versuchen das ja immer wieder.

Anfang des Jahres war ich auf dem Kongress Kirche2 und bin seit dem auch noch überzeugter, dass die frohe Botschaft auf Twitter gehört. Und der Papst geht mit gutem Beispiel voran.

Bisher ist katholisch.de bei der Verkündigung der Geburt an Maria angelangt, ein bisschen was wird noch kommen in den nächsten Tagen. Doch Ich frage mich, wen man mit dem Hashtag JesuGeburt erreichen kann, der die Weihnachtsgeschichte nicht eh kennt? Warum nicht auch bei Twitter vorwagen zu denen, den die Botschaft noch fremd ist und zwischen allen #Weihnachten-, #Geschenke- und #Stress-Tweets die frohe Botschaft, das, was wir an Weihnachten Feiern verkünden?

Ob es mehr erreicht weiß ich nicht, aber ich glaube es ist einen Versuch wert.

Die Kirche kann noch viel lernen im Umgang mit den sozialen Netzwerken und das meiste wohl nur durch das ausprobieren.

Danke, katholisch.de – ich bin gespannt, was noch kommt!

Update – Hier  die Antwort von katholisch.de:

antwort

Impuls zum 4. Advent

Im Mittelpunkt des heutigen Evangeliums stehen die Worte des Propheten Jesaja, die der Engel des Herrn Josef im Traum mitteilte (Mt 1, 23 bzw. Jes 7, 14):

„Seht die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären und man wird ihm den Namen Immánuel geben, das heißt übersetzt: „Gott ist mit uns“.

Gott ist mit uns. Er möchte nicht nur Gott auf geistiger Ebene sein, er möchte mitten unter uns sein, er möchte Mensch sein. Das ist Liebe und Hinwendung zu seinem Volk. Er möchte nicht länger nur durch die Propheten zu seinem Volk sprechen, sondern er selbst möchte sich offenbaren. Und so hören wir auch an Weihnachten in der Einleitung des Johannes-Evangeliums: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Joh 1, 14).

Ich finde sehr viel Trost in diesen Worten, in der Vorstellung, dass Jesus mitten unter uns gelebt hat. Er hat sich mit uns gefreut und mit uns getrauert, er hat mit uns gegessen und getrunken, er hat mit uns gebetet, hat mit uns gelitten ist für uns gestorben und wiederauferstanden. Dieses Heil begann mit seiner Geburt durch die Jungfrau Maria, bzw. erst ihrem Ja zu Gott und diesem Auftrag.

Jesus ist wahrer Mensch und wahrer Gott. Das ist etwas völlig neues und mit dem Verstand nur schwer zu begreifendes. Aber vertrauen wir auf Gott und seinem Wort, lassen wir uns darauf ein, so wie auch Josef den Worten des Engels vertraute und seine Frau zu sich nahm, statt sie zu verlassen (Mt 1, 24).
Dann können auch wir aus der Hoffnung heraus leben, dass Gott mit uns ist – auf all unseren Wegen, denn er selbst ist diese Wege alle vor uns und mit uns gegangen, durch Freud und durch Leid.

Zum Schluss möchte ich Ihnen noch das Adventslied „Veni redemptor gentium“ mit auf dem Weg geben, welches diese beiden Naturen Jesu betont und zu meinen Lieblingsliedern im Advent zählt. Es stammt aus der Feder des Ambrosius von Mailand, der dieses Lied vor über 1600 Jahren verfasste. Im Gotteslob finden sie fünf der acht Strophen ins deutsche Übertragen Neues Gotteslob: 227, altes Gotteslob 108).

Einen gesegneten vierten Advent.

Impuls zum 3. Advent

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe.“ – Jeden Tag einen Mini-Impuls: advent.gerne-katholisch.de

Dieser gewaltige Imperativ steht über dem dritten Adventssonntag und läutet die heiße Phase der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ein. Es geht um mehr als eine Ermutigung, es ist eine Aufforderung, ja beinahe schon eine Anweisung, sich zu freuen. Die Begründung: „Der Herr ist nahe.“

Das heutige Evangelium bringt es auf den Punkt. Johannes lässt durch seine Jünger fragen, ob Jesus der erwartete Messias sei. Die Antwort Jesu hat es in sich: „Macht doch einfach mal die Augen und Ohren auf, dann müsst ihr doch erkennen was hier geschieht. Lahme gehen, Blinde sehen, Tote stehen auf. Die Prophezeiung Jesajas hat sich erfüllt. Guckt doch einfach mal richtig hin!“

Der Advent hat immer zwei Seiten. Zum einen erwarten wir die Ankunft des Herrn, ja wir erflehen sie geradezu, „Komm, o komm Immanuel!“  Zum anderen feiern wir aber auch, dass er schon in unserer Welt und unserem Leben gegenwärtig ist und wirkt. Denn nur, wenn wir lernen zu sehen und zu glauben, was Gott heute und jetzt schon Großes wirkt, in der Welt, der Kirche und dem Leben eines jeden von uns, dann werden wir auch Sein kommen in Herrlichkeit nicht verschlafen.

Also Augen und Ohren auf! Freut euch! Der Herr der kommt, er verändert schon heute euer Leben!

Impuls zum 2. Advent

Jeden Tag einen Mini-Impuls: advent.gerne-katholisch.de

Im heutigen Evangelium wird uns Johannes der Täufer vor Augen gestellt. Oft wird er in der Kunst mit einem langen Zeigefinger dargestellt. Es handelt sich dabei nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern um den, der auf Christus verweist.

Als Christen sind wir aufgerufen, dieser Zeigefinger zu sein. Nicht der, der immer nur auf die Moral verweist, sondern der, der versucht zu Christus und zu seinem Evangelium zu zeigen.

Papst Franziskus wird nicht müde, das zu betonen. In seinem Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium, über die Freude des Evangeliums, schreibt er „Wenn wir alles unter einen missionarischen Gesichtspunkt stellen wollen, dann gilt das auch für die Weise, die Botschaft bekannt zu machen. In der Welt von heute (…) ist die Botschaft, die wir verkünden, mehr denn je in Gefahr, verstümmelt und auf einige ihrer zweitrangigen Aspekte reduziert zu werden. Das größte Problem entsteht, wenn die Botschaft, die wir verkünden, dann mit diesen zweitrangigen Aspekten gleichgesetzt wird, die, obwohl sie relevant sind, für sich allein nicht das Eigentlich der Botschaft Jesu Christi ausdrücken. (…) In diesem grundlegenden Kern ist das, was leuchtet, die Schönheit der heilbringenden Liebe Gottes, die sich im gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus offenbart hat.“ (EG 34-35)

Rufen wir mit Johannes und führen so zu Christus: „Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ (Mt 3,2).

Impuls zum 1. Advent

Euer Leben sei Advent – Jeden Tag einen Mini-Impuls: advent.gerne-katholisch.de

Oft betrachten wir nur die wenigen Adventstage bis zum kommenden Weihnachtsfest und versuchen neben Geschenkesuche, Vorbereitungen, unzähligen Weihnachtsfeiern und Adventsmärkten irgendwie ein wenig Ruhe zu bekommen und uns auf dieses große Fest vorzubereiten. Aber darüber wird oft vergessen, dass es auch um den „großen Advent“ geht, der uns  heute im Evangelium beschrieben wird: Die Wiederkunft Christi am Ende der Zeit.

Wie steht es da mit unserer Vorbereitung?
Vor Jahren habe ich einmal einen Text von Theresia Hauser in die Hände bekommen, der mich seit dem begleitet und immer wieder an diese große Dimension des Advent erinnert. Ich möchte Ihnen diesen Text heute mitgeben und vielleicht wird er Ihnen auch ein treuer Begleiter und Erinnerer. (mehr …)