Tags » Christus

Von Gott reden

Vor einigen Tagen wurde veröffentlicht, wie viele Menschen im vergangenen Jahr aus der Kirche ausgetreten sind. Der Franziskus-Effekt konnte den Tebartz-van Elst-Effekt nicht ausgleichen. Für viele Menschen waren wohl die Geschehnisse rund um dem Limburger Domberg ein Anlass, grundsätzlich das eigene Verhältnis zur Kirche zu überprüfen und aus der Kirche auszutreten.

Einen Tag bevor die Zahlen veröffentlicht wurden, twitterte Papst Franziskus:

Der Franziskus-Effekt liegt meiner Ansicht nicht nur darin, dass der Papst nicht in seinem Palast wohnt und alte Autos fährt, sondern vor allem darin, dass er immer wieder versucht den Menschen eine Begegnung mit Jesus zu ermöglichen und das als Auftrag an die Kirche und damit an jeden einzelnen Christen formuliert. Jesus Christus gehört in das Zentrum und ist das, wofür die Kirche Zeugnis ablegen soll. Den Menschen von Gott erzählen, ist die Hauptaufgabe. Nicht das Verwalten von Geld und Strukturen.

Aber wie kann das funktionieren, von Gott zu reden? (mehr …)

Leben „per ducatum evangelii“ – „unter der Führung des Evangeliums“

Ein Gastbeitrag von Dipl.-Theol. Marco Hüsing

In der Mitte des Prologs der Benediktsregel stehen im lateinischen drei Wörter: „per ducatum evangelii: unter Führung des Evangeliums“. Diese drei Wörter geben nicht nur eine Beschreibung eines Mönchsleben wieder. Es ist auch nicht nur eine Aufforderung des Mönchs, sondern diese drei Wörter sind die Grundbeschreibung eines jeden christlichen Lebens. 

Durch die Taufe und die dadurch gegebene Bereitschaft von uns, uns ganz Gott anzuvertrauen, unser Leben ganz Jesus Christus zu geben, wechselten wir von dieser Welt zu einem Leben unter der Führung des Evageliums. Und dies ist Auftrag und Ehre zusammen. 
Es ist Ehre, denn das Evangelium Jesu Christi ist die Frohe Botschaft des Lebens. Durch das Evangelium sind wir befreit von Tod und Sünde. Wir gehören ganz Christus an und können uns freuen. Ja, das Evangelium ist eine Last, die nicht drückt. Es befreit uns von den Verstrickungen der Welt. Durch Annahme gehören wir zu Christus. Und wir leben nicht mehr uns,  sondern Christus lebt in uns. Das bedeutet, ein Leben unter der Führung des Evangeliums zu haben: man ist ganz Jesus übergeben.  (mehr …)

Mut zum Anfang

Was erwarte ich auf meinem Weg?

Was erwarte ich auf meinem Weg?

Der heutige Fastensonntag kann als Mitte und Anfang zugleich gesehen werden: Die Mitte der vierzigtägigen Fastenzeit und der Beginn der Sonntage, an denen es besonders um die Vorbereitung auf die Taufe an Ostern ging (mehr Info dazu hier).

Zum Thema Anfang bin ich an zwei Aspekten in den heutigen Lesungstexten hängen geblieben:

David, der Sohn der zum König gesalbt werden soll, ist nicht da (1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b). „Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe.“ Dabei ist er genau der, den der Herr erwählt hat. Das hatte Isai vielleicht nicht erwartet und deswegen war David nicht da.

Im Evangelium (Joh 9, 1-41) geht es anfangs um die Frage, warum der Mann überhaupt blind sei.

„Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Ober haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“ Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.“

Warum wird eigentlich das Wirken Gottes an ihm offenbar? Vielleicht, weil er in seiner Blindheit etwas von Gott erwartet, nämlich, dass er sehen kann, dass ihm die Augen geöffnet werden.

Wo erwarte ich etwas von Gott? Was verberge ich vor ihm? Wo kann ich einen Anfang machen, in dem ich ihm etwas hinhalte? Was ist meine Blindheit? Wo liegt der Anfang einer Überraschung?

Um die Mitte geht es vielleicht in der zweiten Lesung (Eph 5, 8-14). „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!“ So leben, wie es dem entspricht was ich bin. Mitten in meinem Tun, in meinem Leben als Christ muss ich mich an der Frage messen: Lebe ich so?

Mitten drin: Mut zum Anfangen und Mut zum Ausrichten auf Christus.

Einen gesegneten Fastensonntag!

„Katholiken verlieren Interesse am Glauben“

Gedanken zu einem Artikel von Matthias Kamann in der Zeitung „Die Welt“ vom 20.12.2013

xpverschwimmen

Eher verschwommen? Die Wahrnehmung der Botschaft Christi in der Kirche

Wenn Katholiken an ihre Kirche denken, dann stehen scheinbar vor allem die Verbote im Vordergrund. So zumindest die Interpretation der Ergebnisse der päpstlichen Umfrage zu Ehe und Familie in der „Welt“.  Eigentlich haben wir uns das ja schon gedacht. Jetzt haben wir es aber schwarz auf weiß. Alois Glück vom ZDK bescheinigt dann auch, dass die Kirche von Vielen nur als eine „Institution der Verbote und Reglementierung“ wahrgenommen würde.

Was ist da nur schiefgelaufen? Seit wann ist denn „Glaube“ nur das, was Verbot ist? Ist Jesus häufiger mit erhobenem Zeige-finger durch die Gegend gelaufen oder hat er nicht viel häufiger getröstet, geheilt, geliebt? Wieso schafft es die Kirche nicht, die  FROHE BOTSCHAFT von Jesus Christus zum Thema zu machen?

Stattdessen kreisen wir ständig nur um uns selbst – Laien wie Geistliche. Die Bischöfe stehen hilflos vor Tagesschau-Mikrofonen und erklären uns immer nur die Fehler in den Strukturen, die Verbände immer nur, was sich strukturell oder institutionell ändern muss.  Eine evangelisierende Ausrichtung? Fehlanzeige.

Wie wir es schaffen können, endlich aus dieser Selbstbezugs-Spirale zu kommen, weiß ich auch nicht recht. Aber eine Idee hätte ich: fangen wir doch mal wieder bei Christus an und sagen der Welt, was er uns alles schenkt. Das „Vater Unser“ (Mt 6,9 ff) zeigt uns, auf wen und was es ankommt:

Geheiligt werde dein Name
Dein Reich komme
Dein Wille geschehe

Gott ist im Leben jedes Menschen

Ende letzter Woche ist in mehreren Jesuitenzeitschriften ein Interview mit Papst Franziskus erschienen. Er spricht u.a. über das zweite vatikanische Konzil: „Das Zweite Vatikanum war eine neue Lektüre des Evangeliums im Licht der zeitgenössischen Kultur. Es hat eine Bewegung der Erneuerung ausgelöst, die aus dem Evangelium selbst kommt“. Mein Eindruck ist, dass Papst Franziskus diese „Erneuerung aus dem Evangelium“ weiterführen will. „Die wichtigste Sache ist aber die erste Botschaft: ‚Jesus Christus hat dich gerettet’“, so Franziskus. Das Evangelium als frei- und frohmachende Botschaft verkünden – das ist der Auftrag der Kirche! Konzentration auf die Mitte, auf Christus und seine Botschaft. Der Papst zeichnet, wie in seinen Predigten, auch im Interview ein eindrückliches Bild: Kirche als Feldlazarett: „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, die Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen schwer Verwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem Anderen sprechen.“ (mehr …)