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Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt…

(C) Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung (Vatikan). Alle Rechte vorbehalten.

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Heute hat Papst Franziskus das Jahr der Barmherzigkeit eröffnet und er bleibt damit seinen vielfältigen Äußerungen zum Unrecht in der Welt treu.

Mir kommt mit Blick auf dieses Jahr der Barmherzigkeit immer wieder Mt 25, 31-46 in den Sinn. Die Stelle, die uns vermutlich allen im Gedächtnis ist von der einen Zeile „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Dazu und vielleicht überhaupt zur Barmherzigkeit einige Gedanken:

„Das war nur Mittel zum Zweck.“ sagen wir manchmal und das klingt durchweg negativ. „Du warst nur Mittel zum Zweck.“ ist aber wohl einer der schlimmsten Sätze, den man zu jemandem sagen kann. Jeder von uns hat doch das Bedürfnis, gebraucht zu werden. Wirklich, echt. Nicht nur, um eigentlich etwas anderes zu erlangen, sondern um meiner selbst willen. Da kommt es häufig zu Missverständnissen: Ich fühle mich gebraucht und werde doch eigentlich nur benutzt!

Das Matthäusevangelium kann man an dieser Stelle auch leicht in dieser Art missverstehen. „Was ihr für einen dieser geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) Ist also der Geringste nur Mittel zum Zweck? Gute Taten vor und für Gott auf Kosten der Hungrigen, der Durstigen, der Fremden, der Obdachlosen, der Nackten, der Kranken und der Gefangenen? Barmherzigkeit fürs eigene Ego? (mehr …)

„Glauben im gemeinsamen Haus“ – zum heutigen Gebetstag für die Bewahrung der Schöpfung

0915Am diesjährigen Pfingstfest veröffentlichte Papst Franziskus seine Enzyklika zur Umwelt Laudato si’. Sie trägt den Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“. In den Medien – sowohl innerkirchlich als auch außerhalb – hat sie eine große Resonanz und Lob gefunden. Als kirchliches Lehrschreiben ermahnt der Papst aber natürlich nicht nur Wissenschaftler, Politiker und Mächtige zum Handeln für einen effektiveren Schutz der Umwelt, sondern er sagt auch etwas über den christlichen Glauben und dessen Verbindung zur Umwelt aus. Drei Aspekte aus der Enzyklika fand ich persönlich besonders ansprechend für das persönliche Glaubensleben:

1) Schöpfung als Zugang zum Glauben
Das gemeinsame Haus von dem im Untertitel die Rede ist, ist Gottes Schöpfung. Sie ist entscheidend für den Glauben, denn sie lässt sich – wie Franziskus schreibt – als ein Buch lesen, „in dem Gott zu uns spricht“ (LS 12). In der Schönheit, dem Mysterium der Schöpfung können wir Gott finden und Seine Größe erahnen. Sie kann uns ins Stauen versetzen und dankbar machen. Stauen und Dank über die großen Taten und die große Liebe Gottes. Franziskus betont auch, dass Gottes lebensspendender Geist in jedem Geschöpf wohnt und uns in eine Beziehung mit Ihm ruft (vgl. LS 88). Die Schöpfung, die Umwelt in der wir leben sind ein Zugang zu Gott. Mit diesem Gedanken im Hintergrund kann sich mein Blick auf die Welt ändern. In der Begegnung mit meiner Umwelt, kann ich Gott begegnen.

2) „Wir sind nicht Gott“ (LS 67)
Wir Menschen sind Teil der Schöpfung und stehen nicht außerhalb der Umwelt. „Wir sind nicht Gott“ (LS 67) schreibt Franziskus. Das anzuerkennen mag auf den ersten Blick etwas schwerfallen, steht doch der Mensch oft im Mittelpunkt und bedient sich der Schöpfung. Aber ich darf gleichzeitig auch anerkennen, dass ich geschaffen bin und mein Leben ein Geschenk ist. Ich verdanke mich Gott. Ich darf vertrauen, dass Gott mich nicht verlässt, Er bleibt Seiner Schöpfung in Liebe treu: „Niemals macht er in seinem Plan der Liebe einen Rückzieher, noch reut es ihn, uns erschaffen zu haben“ (LS 13). Ich bin nicht Gott und ich brauche es auch nicht zu sein. Aber Gott ist da. (mehr …)

Franziskus – bekehrt, berufen und geführt vom Heiligen Geist

Auch durch die Wahl Jorge Mario Bergoglios zu Papst Franziskus steht der Orden der Minderbrüder wieder stärker im öffentlichen Interesse. Johannes Roth, Novize bei den Franziskanern, zeichnet für uns das Leben des Ordensgründers nach. (Dieser Beitrag stammt aus der 2. Ausgabe unseres Gerne-katholisch-Magazins, das Sie hier kostenlos bestellen können)

tauHäufig werde ich gefragt, was bedeutet eigentlich das „Tau-Kreuz“, das viele Franziskaner und auch ich als Postulant der Franziskaner um den Hals trage. „Das ist doch kein richtiges Kreuz, da fehlt doch was.“, höre ich oft. Das Tau hat für uns Franziskaner eine besondere Bedeutung und steht auch in Beziehung zur Berufung des Hl. Franziskus. Mit diesem Tau hat er alle Dokumente unterschrieben und auch den Segen für seinen Mitbruder Leo. Das Tau bzw. Taw ist der kleinste Buchstabe im griechischen und der letzte Buchstabe im hebräischen Alphabet. Franziskus wollte nach seiner Bekehrung und seinen Berufungserlebnissen der Kleinste und Letzte sein – eben ein Minderbruder, wie die Franziskaner auch genannt werden. Er wollte an den Rand der Gesellschaft gehen, hin zu den Kleinsten und Letzten, eben zu denen, die von der Gesellschaft ausgestoßen wurden. 

Aber wie kam es dazu, dass jemand, der aus einer reichen Familie stammte und eigentlich eine aussichtsreiche Karriere vor sich hatte, sein Leben komplett umkehrte und auf den Kopf stellte? Im Leben des Hl. Franziskus gibt es drei Berufungsmomente, die ihn zu diesem Schritt führten: die Begegnung mit dem Aussätzigen, die Begegnung mit dem Kreuz und die Begegnung mit der Hl. Schrift.

Franziskus war auf dem Weg in einen Feldzug nach Apulien. Unterwegs begegnete er einem Aussätzigen. Sofort steigt er im wahrsten Sinne von seinem hohen Ross herab und begibt sich zu Jemandem, der wegen seiner Krankheit von der Gesellschaft ausgestoßen wurde. Dazu schreibt er in seinem Testament: „So hat der Herr mir, dem Bruder Franziskus, gegeben, das Leben der Buße zu beginnen: denn als ich in Sünden war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt, und ich habe ihnen Barmherzigkeit erwiesen. Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das, was mir bitter vorkam, in Süßigkeit der Seele und des Leibes verwandelt. Und danach hielt ich eine Weile inne und verließ die Welt.“ (Test 1-3) Diese Begegnung führte Franziskus zu dem Entschluss, nicht in den Krieg zu reiten, sondern nach Assisi umzukehren und sein Leben zu ändern.

Alles Gute zum Geburtstag, Papst Franziskus!

papstgeburtstag

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Wir danken Dir für die ersten 9 Monate deines Pontifikates, in denen du uns zur Solidarität mit den Armen ermahnt hast. Du hast uns ermutigt und überrascht. Du hast neue Akzente gesetzt und bewahrst das Bewährte. Du wirst nicht müde, zu wiederholen: „Mit Jesus Christus kommt immer und immer wieder die Freude!“ (Evangelii Gaudium 1).

Wir wünschen dir weiterhin alles Gute für deine Aufgabe und beten dafür, dass die „Freude des Evangeliums“ in unseren Herzen wächst und Frucht bringt.

@Pontifex – Was Papst Franziskus für die neuen Medien bedeutet

pontifex

Gleich zwei (indirekt sogar drei) Vorträge auf der Catholic New Media Conference in Boston griffen die Wirkung von Papst Franziskus auf die Neuen Medien auf. In der Einführungs-Keynote gab Mons. Tighe, Sekretär des päpstl. Rates für die sozialen Kommunikationsmittel, interessante Einblicke in die Arbeit hinter den großen „offiziellen“ Kanälen des Papstes – news.va und dem Twitter-Account @Pontifex (man kann sich hier in voller Länge die Keynote anschauen).

Wer hätte es gedacht: Papst Franziskus schreibt seine Tweets tatsächlich selbst. Wobei Mons. Tighe durchblicken ließ, dass es gar nicht so einfach sei, diese dann in die verschiedenen Sprachen zu übersetzen. Denn was auf italienisch perfekt in 140 Zeichen passt, kann auf englisch oder deutsch (da konnte er sich einen Seitenhieb auf die deutsche Sprache nicht verkneifen) viel zu lang sein.  (mehr …)

Gott ist im Leben jedes Menschen

Ende letzter Woche ist in mehreren Jesuitenzeitschriften ein Interview mit Papst Franziskus erschienen. Er spricht u.a. über das zweite vatikanische Konzil: „Das Zweite Vatikanum war eine neue Lektüre des Evangeliums im Licht der zeitgenössischen Kultur. Es hat eine Bewegung der Erneuerung ausgelöst, die aus dem Evangelium selbst kommt“. Mein Eindruck ist, dass Papst Franziskus diese „Erneuerung aus dem Evangelium“ weiterführen will. „Die wichtigste Sache ist aber die erste Botschaft: ‚Jesus Christus hat dich gerettet’“, so Franziskus. Das Evangelium als frei- und frohmachende Botschaft verkünden – das ist der Auftrag der Kirche! Konzentration auf die Mitte, auf Christus und seine Botschaft. Der Papst zeichnet, wie in seinen Predigten, auch im Interview ein eindrückliches Bild: Kirche als Feldlazarett: „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, die Wunden zu heilen und die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett nach einer Schlacht. Man muss einen schwer Verwundeten nicht nach Cholesterin oder nach hohem Zucker fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem Anderen sprechen.“ (mehr …)