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„Auf was dürfen wir noch hoffen?“

Geistlicher Impuls zum Weihnachtsfest von Marina Thebbe, Pastoralreferentin in Frankfurt am Main

Diese Überschrift las ich nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am 19.12.2016 und sie ließ mich nicht mehr los.
Auf was dürfen wir noch hoffen?
Vor Weihnachten wird oft das ganze Ausmaß einer menschlichen Existenz auf das Scheitern reduziert. Es ist ein Fest, das in den Medien überfrachtet wird mit der ideellen Vorstellung eines Familienlebens ohne Streit, Verlust und Problemen. Es wird suggeriert, dass der Kauf eines perfekten Weihnachtsgeschenks das größte Problem dieser Tage sei.

Dabei sind es eher diese Bilder, die die Menschen an sich zweifeln lassen und mit den eigenen Brüchen stärker in Berührung bringen. Denn die Realität sieht anders aus. In diesen Tagen denke ich besonders an die Menschen, die ihr erstes Weihnachten ohne einen geliebten Menschen begehen. Ich denke an die Menschen, die in ihrer Familie schmerzvolle Brüche erlebt haben und keine Heilung in Sicht ist. Ich denke an die Menschen, die sich nach einer schweren Diagnose die Frage stellen, ob dies ihr letztes Weihnachten auf Erden sein wird. Ich denke an die Menschen, die alleine sind in diesen Tagen. Wo bleibt da die Hoffnung? (mehr …)

#heimkommen

1215Geistlicher Impuls zum Weihnachtsfest von Br. Johannes Roth OFM

Wieder einmal erregt eine Weihnachtswerbung die Gemüter Deutschlands. Vor ein paar Jahren war es Media-Markt mit seinem Slogan „Weihnachten wird unter dem Baum entschieden“, der viele Menschen, besonders uns Christen, auf die Barrikaden gebracht und erzürnt hat. In diesem Jahr ist es etwas anders: Edeka hat mit seinem Spot „Zeit heimzukommen“ scheinbar bei vielen den richtigen Nerv getroffen, trotzdem wird er aber auch sehr kritisch gesehen.

Folgendes passiert in dem Spot: Ein Rentner vom Typ gemütlicher, kleiner Großvater betritt seine Wohnung, hört die Absage seiner Tochter zu den Weihnachtsfeiertagen auf dem Anrufbeantworter und stellt eine Weihnachtskarte seiner Familie auf den Kamin. Derweil sieht er aus dem Fenster, wie die Kinder seiner Nachbarn heimkommen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern. Er sitzt nun einsam an seinem großen Esstisch vor dem Weihnachtsmenü, hinter ihm ist der geschmückte Tannenbaum zu sehen. Nun erfolgt ein Szenenwechsel: Seine drei Kinder erhalten auf verschiedene Art und Weise die Nachricht vom Tod des Vaters, die einen per Post und die anderen über ihr Smartphone. Sie machen sich nun alle auf den Weg nach Hause und treffen schwarz gekleidet vor dem Haus ihres Vaters ein. Drinnen erleben sie eine wahre Überraschung: der Tisch ist gedeckt und das Esszimmer leuchtet warm und einladend. Sie schauen etwas verdutzt und plötzlich kommt der alte Mann aus der Küche und sagt den einzigen Satz in diesem Spot: „Wie hätte ich euch denn sonst alle zusammenbringen sollen?“ Es folgt eine ausgiebige und freudige Weihnachtsfeier, die ganze Familie ist nun an einem Tisch versammelt und freut sich. Zum Schluss wird der Satz eingeblendet „Zeit heimzukommen“. (mehr …)

Und das Wort ist Fleisch geworden

Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2013

Stomer-adoration

Matthias Stom: „Anbetung der Hirten“ via Wikimedia Commons

Das Geheimnis, das wir an Weihnachten feiern dürfen, bringt das Johannesevangelium gleich zu Anfang mit schlichten, aber unglaublich tiefen Worten auf den Punkte: „Und das Wort ist Fleisch geworden.“ (Joh 1, 14). Wir feiern das Besondere am Christentum: Gott teilt sich uns mit in seinem Sohn, in dem Wort, das Fleisch wird; er will Gemeinschaft mit uns. Und: Der christliche Glaube bleibt nicht bei Worten stehen, sondern wird Fleisch, Glauben wird zum Tun in Liebe.

Gott hat sich in Christus mitgeteilt, sich uns offenbart, er ist Teil der Geschichte geworden. Aber ich glaube, dass er auch heute noch Teil meiner Geschichte, Teil der Geschichte jedes Menschen werden möchte. Er spricht auch heute noch zu uns. Auch wenn wir ihn nicht immer hören und wahrnehmen können, spricht er. Durch einen Bibeltext, den ich plötzlich ganz anders verstehe und auf meine Situation beziehen kann, durch das Wort eines anderen Menschen, das mir eine neue Perspektive zeigt, durch die Sakramente, die mich mitten im stressigen Alltag ruhig werden lassen, im persönlichen Gebet mit Gott, wo ich ihm meine Sorgen und Freuden, Fragen und Gedanken hinlegen kann und auf ganz viele andere Weise. Davon bin ich überzeugt und das ist ein Grund, weshalb ich gerne Weihnachten feiere! Gott teilt sich uns immer wieder mit!

Das Wort, aus dem der Glaube kommt, wird Fleisch. Glauben ist mehr als ein Lippenbekenntnis, mehr als Worte. Glaube wird Fleisch in mir und in meinen Taten. Dazu ruft mich das Weihnachtfest auf: Die Hirten, die sich nach den Worten der Engel auf den Weg machen, erst zum Kind und dann verkündigen sie die Freude, die ihnen zuteil wurde. Die Freude, die auch uns zuteil wird. Unsere weihnachtliche Freude, unser weihnachtlicher Glaube will in uns Fleisch, in uns und unseren Taten konkret werden. Das Zweite Vatikanische Konzil lehrt in der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“: „Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt.“ (GS 22).

Jesus hat sich mit jedem Menschen vereinigt. In jedem Menschen können wir Gott ein Stück weit begegnen und im Dienst am Nächsten diene ich Gott.

„Das Wort ist Fleisch geworden“ – Grund zur Freude, zum Dank und Aufruf, auch in uns selbst Weihnachten zu feiern: Gott wird Mensch.

#JesuGeburt

tweet_kathUnter dem Hashtag (eine Art Schlagwort oder Kategorie in sozialen Netzwerken) #JesuGeburt twittert katholisch.de die Weihnachtsgeschichte in den twitterüblichen 140 Zeichen. Sehr gut, meine ich. Die frohe Botschaft gehört auch in dieses Neuland und auch wir versuchen das ja immer wieder.

Anfang des Jahres war ich auf dem Kongress Kirche2 und bin seit dem auch noch überzeugter, dass die frohe Botschaft auf Twitter gehört. Und der Papst geht mit gutem Beispiel voran.

Bisher ist katholisch.de bei der Verkündigung der Geburt an Maria angelangt, ein bisschen was wird noch kommen in den nächsten Tagen. Doch Ich frage mich, wen man mit dem Hashtag JesuGeburt erreichen kann, der die Weihnachtsgeschichte nicht eh kennt? Warum nicht auch bei Twitter vorwagen zu denen, den die Botschaft noch fremd ist und zwischen allen #Weihnachten-, #Geschenke- und #Stress-Tweets die frohe Botschaft, das, was wir an Weihnachten Feiern verkünden?

Ob es mehr erreicht weiß ich nicht, aber ich glaube es ist einen Versuch wert.

Die Kirche kann noch viel lernen im Umgang mit den sozialen Netzwerken und das meiste wohl nur durch das ausprobieren.

Danke, katholisch.de – ich bin gespannt, was noch kommt!

Update – Hier  die Antwort von katholisch.de:

antwort

Geistlicher Impuls zu Weihnachten 2012

Begegnung. Reisen. Ankommen. Rückkehr. Wohnen. Kind werden.
von unserem Autor Thorsten Laurentius Weber

In diesen Momenten vor dem Weihnachtsfest begegnen wir in den Zügen, auf den Straßen und an den Flughäfen vielen Menschen, die auf dem Weg sind, die sich aufgemacht haben, dorthin, woher sie ursprünglich kommen und wohin sie zumindest einmal im Jahr gehören.

Dieter Schütz / pixelio.de

Dieter Schütz / pixelio.de

Wir reisen zu unseren Eltern, zu unseren Kindern, zu unseren Geschwistern und zu guten Freunden. Das Wiedersehen nach längerer Zeit der Trennung steigert unsere Vorfreude auf die Begegnung. Und wir reisen mit guten Wünschen und Geschenken im Gepäck, damit unserer Freude auch gesteigerter Ausdruck verliehen werde.
Gehen wir zur Stärkung vor der Reise oder in der Freude über eine unfallfreie Ankunft am Zielort dann in die Kirche und feiern „Eucharistie“, also „Danksagung“, so hören wir in der Lesung aus dem Evangelium des Lukas, der ja unser „Weihnachts-Evangelist“ ist.

Wir hören von Maria, die sich auf den Weg macht zu ihrer Cousine Elisabeth. Auch sie, die Gottesgebärerin, ist also auf dem Weg und wir dürfen sie begleiten, wir sind gleichsam die Reisegesellschaft Mariens, wenn wir zu unseren Verwandten und Freunden gehen. Wie schön wäre es, wenn unsere Begegnung mit denen, die wir lange nicht umarmen konnten, so herzlich ausfiele, wie jene, die die Gottesmutter bei Elisabeth erlebt: Nicht nur die beiden werdenden Mütter freuen sich im Wiedersehen innig aneinander, auch das Kind im Leibe Elisabeths, der zukünftige Vorläufer des Herrn, Johannes, hüpft in der Geborgenheit seines Mutterschoßes vor Freude. Und so begegnen sich in der Verborgenheit schon hier jene beiden, Johannes und Jesus, die einst am Jordan offenbaren werden, daß Gott uns nicht allein läßt.

Es ist unsere Sehnsucht, gerade in diesen besonderen Tagen nicht allein gelassen zu werden. Wir sehnen uns danach, nach der Mühsal der Reise in den Begegnungen dieser Tage ankommen zu können bei unseren Gastgebern. Wir sehnen uns danach, herzlich aufgenommen zu werden. Und wir spüren, daß wir in diesen Tagen auch bei uns selbst ankommen möchten. Vielleicht gibt es keine bessere Zeit im Jahr dazu, sich dies wieder neu bewußt zu machen und dieser Sehnsucht in der Ruhe der Weihnacht Raum zu geben. Einmal nicht die festlichen Tage mit Unruhe zu füllen, sondern die Fülle in Ruhe zu erleben.

Als Reisende kehren wir, wie Maria, dorthin zurück, wo wir eigentlich zuhause sind, wo Menschen uns nahe sind. Gott selbst tut dies zu Weihnachten auch: Er will zurückkehren in seine Schöpfung. Er will uns begegnen. Er will bei uns wohnen. Er wird seinen Sohn zum Kind unter uns Menschen machen, ja er gibt uns sein Kind zur Obhut. Es soll unter uns aufwachsen. Schon einmal hat er dieses Wunder getan und wir haben es nicht erkannt.

Die Kirche ruft uns in ihrer Liturgie aber immer wieder in Erinnerung, wie und wann Gott an uns handelt: An Gründonnerstag, bei der Einsetzung des Heiligen Abendmahls, ist an der besonders ehrfurcht-gebietenden Stelle der Wandlungsworte im Hochgebet ein „Heute“ eingefügt. Und so dürfen wir auch an Weihnachten dieses „Heute“ in uns hören: Heute ist Euch ein Sohn gegeben, ein wunderbarer Ratgeber und Friedefürst, der uns jenen Frieden schenken will, den die Welt sich selbst nicht geben kann. Denken wir daran, wenn wir unseren Lieben, unseren Kindern die Tür öffnen oder selbst bei unseren Verwandten und Freunden anklopfen und sie nach langer Ankuft in die Arme schließen: Auch Jesus Christus will zu uns zurückkehren, will bei uns ankommen. Gerade wenn wir ihn vielleicht länger nicht besucht oder wenn wir uns zuweilen von ihm getrennt haben. Er und seine jungfräuliche Mutter möchten in der Heiligen Nacht nicht allein bleiben, auch sie und ihr stiller, treuer Begleiter, der heilige Joseph, möchten unsere Familie sein und wie unsere Lieben bei uns wohnen.

Freuen wir uns auf diese Begegnung und schließen wir auch der Heiligen Familie die Kammer unseres Herzens weit auf, damit wir das Schönste geschenkt bekommen: Erfüllt von festlicher Freude die Gnaden der Weihnacht erfahren.

Gesegnete Weihnachten allen, die dies lesen!

Thorsten Laurentius Weber ist Priesterkandidat für das Erzbistum Hamburg.