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Bereitet dem Herrn den Weg!

15Impuls zum 2. Adventssonntag

Der Rufer in der Wüste kommt uns heute im Evangelium zu Ohren. Zum ersten Mal habe ich mich in diesem Jahr gefragt, was Johannes da eigentlich gemacht hat in der Wüste, bevor er Gottes Stimme vernahm, in die Gegend am Jordan zog und wirklich das Rufen begann. Die Schrift sagt wenig dazu. Bei Matthäus erfahren wir noch etwas über die Kleidung und die Nahrung des Johannes, aber dann kommt der große Auftritt und das Verkünden.

Auch heute haben wir viele Rufer in der Kirche. Aber ich frage mich, ob sie alle die Wüste erlebt haben? Ob sie, bevor sie rufen, die Wüste suchen – freiwillig. Ob sie sich, wie ich, denken, dass Johannes genau diese Zeit gebraucht hat, um dann die Menschen begeistern zu können?

Ich meine: Wer vom Glauben sprechen will, der muss die Wüste erlebt haben. Die Wüste des eigenen Lebens und des eigenen Glaubens. Der muss Durststrecken kennen. (Und die Kamele, die einem begegnen können…)

Aber noch mehr steckt in dieser Wüste des Johannes. Das ist nicht nur ein menschenunfreundlicher Ort, nicht nur Mühsal und Not. Im Gegenteil. Es ist der Ort, an dem Johannes so zu leben lernt, ja das leben kann und will, was er von Gottes Wort verstanden hat. An Gottes Wort und Willen richtet er sich aus, sein Auftreten, seine Kleidung, seine Nahrung, seinen Aufenthaltsort – sein ganzes Leben. Und siehe da: Der Herr ruft ihn, von ihm zu sprechen.

Zu oft meine ich, wir verwechseln die Reihenfolge wenn es um den Glauben und seine Verkündigung geht. Mea culpa. Wer vom Glauben sprechen will, wer anderen vom Glauben erzählen will, der muss sich ergreifen lassen von Gott und sein Leben nach ihm ausrichten. Dann braucht es vielleicht zumindest im engen Umfeld viel weniger oder gar keine Worte, um vom Glauben zu erzählen, weil unser ganzes Leben erzählendes Evangelium wird – frohe Botschaft vom Reich Gottes und von dem, der Mensch wird, um uns zu zeigen wer und wie Gott ist.

„Meine“ Wüste entdecken

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In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste. Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm. Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium. (Mk 1,12-15)

Diese Stelle aus dem Markusevangelium hören wir am ersten Fastensonntag. Es ist eine Art Ouvertüre oder Überschrift über die österliche Bußzeit, die auch Fastenzeit genannt wird. Dieser Textabschnitt ist für unsere Ohren sehr bekannt und wird häufig gelesen. Trotzdem ist mir dieses Mal etwas aufgefallen. Markus berichtet, dass Jesus 40 Tage in der Wüste war, aber er sagt nichts davon, dass Jesus auch gefastet hat. Matthäus und Lukas hingegen schreiben, dass Jesus in diesen 40 Tagen sehr wohl gefastet hat und danach auch Hunger hatte. Trotz dieser Unterschiede ist es aber wohl relativ sicher, dass Jesus in dieser Zeit wahrscheinlich wirklich nichts gegessen hat, zumindest nicht sehr viel, denn er war schließlich in der Wüste. In diesem Punkt sind sich die drei Evangelisten einig. Die Wüste ist ein öder, karger und leerer Ort. Dies scheint mir der zentrale Aspekt zu sein: die Wüste als ein Ort der Leere. (mehr …)